Wut
Wut
(kleines Epos.
Geh bitte, Elfi, hast dus nicht etwas kleiner?)
© Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016
Eine Saat? Eine Saat sollen wir sein? Männersaat, nein, da sind auch Frauen, geharnischt aber beide Geschlechter, manche auch nur geraubt, mit uns beiden sind wir, mit uns sind wir schon drei.
Kurz zur Erinnerung, Sie werden es morgen wieder vergessen haben und den Zorn in die eine und dann wieder in die andre Richtung schreien, je nachdem, wer Sie sind und welche Wut Sie haben, den Zorn werden Sie dann singen, nachdem Sie etwas nachgedacht haben, weil es überall brennt vor lauter Jammer, der nicht Ihrer ist. Die Seelen werden zum Himmel steigen, falls Sie dran glauben, die andren werden sich selbst den Hunden vorwerfen, es wird das alles immer wieder dargestellt werden, heute wieder, ja, auch morgen, die Seelen werden flattern wie diese Taube, die der Heilige entsandt hat, gleich hat die Möwe sich auf sie gestürzt, der Habicht macht das ja auch, wenn er Gelegenheit hat, mal in die Stadt zu kommen. Und so wird in Ihren Augen irgendein Wille vollendet werden seit einem Tag, an den ich mich nicht erinnere, und einem andren Tag, welcher der ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Das Stück, Seite 99
von Elfriede Jelinek
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Der amerikanische Physiker William Roger Corliss (1926–2011) schrieb Bücher über unerklärliche Naturerscheinungen. Nicht UFOs waren seine Leidenschaft, sondern gewöhnlichere Anomalien. Corliss sammelte seltsame Wetterphänomene und ging gegen den Glauben an die exakte Wissenschaft vor, den er längst verloren hatte, als er 1988 eine Preisverleihung in London...
Ein Schulkamerad steckt dem jungen Marcel in Prousts «Suche nach der verlorenen Zeit» mal einen Vers. Racine, sagt dieser Bloch, habe einen Alexandriner geschrieben, der rhythmisch ziemlich gut sei, aber darüber hinaus noch den viel größeren Vorzug besitze, dass er absolut nichts aussage. Und wie lautet dieser Vers? «La fille de Minos et de Pasiphaé» – die Tochter...
