Wut
Wut
(kleines Epos.
Geh bitte, Elfi, hast dus nicht etwas kleiner?)
© Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016
Eine Saat? Eine Saat sollen wir sein? Männersaat, nein, da sind auch Frauen, geharnischt aber beide Geschlechter, manche auch nur geraubt, mit uns beiden sind wir, mit uns sind wir schon drei.
Kurz zur Erinnerung, Sie werden es morgen wieder vergessen haben und den Zorn in die eine und dann wieder in die andre Richtung schreien, je nachdem, wer Sie sind und welche Wut Sie haben, den Zorn werden Sie dann singen, nachdem Sie etwas nachgedacht haben, weil es überall brennt vor lauter Jammer, der nicht Ihrer ist. Die Seelen werden zum Himmel steigen, falls Sie dran glauben, die andren werden sich selbst den Hunden vorwerfen, es wird das alles immer wieder dargestellt werden, heute wieder, ja, auch morgen, die Seelen werden flattern wie diese Taube, die der Heilige entsandt hat, gleich hat die Möwe sich auf sie gestürzt, der Habicht macht das ja auch, wenn er Gelegenheit hat, mal in die Stadt zu kommen. Und so wird in Ihren Augen irgendein Wille vollendet werden seit einem Tag, an den ich mich nicht erinnere, und einem andren Tag, welcher der ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Das Stück, Seite 99
von Elfriede Jelinek
Musste das sein, dass noch die dümmsten Vorurteile gleich am Anfang der Reise bestätigt wurden? «Odin!», rief die Mutter auf dem Vorplatz des Bahnhofs in Gera am frühen Sonntagmorgen, «Odin, komm her!» Und der Kleine trabte gehorsam zu den Eltern; sein Vater setzte die Bierflasche an, spannte noch etwas drohend den Rücken, und man konnte nun die Schrift «Thor...
Plappern Pizzaschachteln plötzlich los, ist man unter Umständen in einem Theatertext des Schweizer Autors Lukas Linder. In Bonn jedenfalls ist das so. Dort spricht ein gewisser Franz aus einer Verpackungspappe, was eine gewisse Nelly dann doch ziemlich überrascht. Die Stimme aus dem Karton ist die ihres Zwillingsbruders. Komisch, gibt es den überhaupt noch? Ist der...
Wenn man sich die Jüngerinnen und Jünger des Orgiengurus Dionysos im Theater Basel so anschaut, könnte man fast auf einen neuen Wellness-Trend tippen. Das gegenseitige Einschlämmen mit optisch heilerdeähnlichen Substanzen nebst Kunstblut, das ein Grüppchen fleischfarbener Unterwäscheträger hier in einer eindrucksvollen Massenchoreografie zur begleitenden...
