Wodka und Whisky
Big Brother is watching you: Im Wohnzimmer der Familie Tyrone im Hamburger Schauspielhaus hängt ihr Erfinder, der amerikanische Nobelpreisträger Eugene O’Neill, im schlichten Rahmen an der Wand, neben einem bescheidenen Kruzifix und umringt von seinen verfluchten Lieben, einer Theaterfamilie, die ihm das schwere Gepäck mit auf den Weg gab, das er 1920 in «Eines langen Tages Reise in die Nacht» bei den Tyrones ablud.
Die autobiografische Grundierung des Werks war Regisseurin Karin Henkel so wichtig, dass sie Felix Knopp, der den gescheiterten Schauspielersohn Jamie spielt, aus der Rolle treten lässt und das Mikro in die Hand drückt, um die gruselige Selbstmord- und Drogengeschichte der Künstlerfamilie O’Neill zu referieren. Befeuert vom Alleszudecker und Allesenthüller Whisky erzählt O’Neill deren Geschichte von verdeckter Schuld, unüberwindbarer Sucht, von Konkurrenz und Unentrinnbarkeit weiter in eine Familienhölle, in die ihm später Tennessee Williams und Edward Albee ausgiebig folgten.
In Hamburg werden die Zuschauer höchstpersönlich ins Innere der Hölle gebeten: auf die Bühne, ins Riesenwohnzimmer, das Thilo Reuther den Tyrones dorthin gebaut hat. Um den ausladenden Esstisch ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Barbara Burckhardt
München und das freie Theater, das war durchaus mal eine Liebesbeziehung, damals in den 1970er und 80er Jahren, als sich allerlei wilde Vögel ungefragt und anfangs auch ungefördert in Kellern und Hallen ans Werk machten, um das Theater in eine von Material und Form her unbegrenzte Dimension zu öffnen, die man sich an den großen Häusern da noch lange nicht...
Jede Bühnenästhetik ist ein Statement, sie sagt etwas über die Welt. In den Augen des Duos Pinter/Kruse war sie noch nie ein schöner Ort, sie war düster, bedrohlich, abgründig und paranoid. Wenn bei Pinter das Reale ins Surreale kippte, wurde es ungemütlich. Entgegenzusetzen war dem allenfalls das Rockige, dezidiert Ungebundene. Finster blieb es.
Das kleine Duo...
Ein Theater zur Demokratie ist ein Theater der Biografien in ihren politischen Kontexten», schrieb Chefdramaturg Ludwig Haugk dem Festival «Uniting Backgrounds» ins Programmheft – und wahrscheinlich bildet kein anderer Satz so passgenau auch die Programmatik des ganzen Theaterprojekts Maxim Gorki seit dem Beginn der Intendanz Shermin Langhoff/Jens Hillje ab.
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