Witz und Wachsamkeit
«Ist das hier vorher aufgenommen oder live?», fragt jemand im Chat, den eine alternative Privatschule veranstaltet, um sich mit den Eltern über eine Mumps-Epidemie auszutauschen. «Darum heißt es ja LIVE STREAM!», ist noch die höflichste Antwort. Wenige Postings weiter ist bereits vom «FA-SCHISTISCHEN Schulrat» die Rede, Kurkuma und Ingwer werden gegen Paracetamol ausgespielt, und jemand beschimpft alle als «VERTICKTE DEPPEN», um den Tippfehler gleich auf «Verfickte» zu korrigieren.
Nur eine gewisse Leslie Kaufman, über die wir gar nichts erfahren, schickt an den unpassendsten Stellen der völlig aus dem Ruder laufenden Impfdebatte ein Daumenrauf-Emoji. Als dann «ignorante Fotze» fällt, greift sogar Leslie zum Schock-Emoji – und der Chat wird vom überforderten Schulrat abgebrochen.
Die Komödie «Die Nebenwirkungen» des US-Autors Jonathan Spector ist am Wiener Burgtheater ein Déjà-vu-Erlebnis: 2018 wurde das Stück uraufgeführt, aber es passt perfekt zur Covid-Pandemie. Das ist seine verblüffende Pointe, aber auch seine Schwäche, weil wir kaum etwas Neues erfahren, wie sich Vorurteile hochschaukeln und Fronten verhärten, wie Wissenschaft als Meinung abgetan wird und man ja schließlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Karin Cerny
«Trau keinen Männern! Falsch sind sie alle!» Das musste Anna Bergmann nicht hineinschreiben in ihre Neuinszenierung von «Romeo und Julia». Denn es steht schon bei Shakespeare. Julias Amme sagt es, in ihrer Totenklage um Julias Vetter Tybalt. Aber es bleibt leider aktuell, wie etwa das Stück «Montag» zeigt. Dort verstecken sich Faith und Novella in einer...
Dracula ist der wohl berühmteste Vampir der Mediengeschichte: ein Monster aus der Walachei oder Transsylvanien. Der Urvater aller Vampire verbreitet Angst und Schrecken, hat spitze Zähne und einen langen schwarzen Umhang. Vielleicht ist er auch ein bisschen geheimnisvoll und sexy? Vor allem aber unheimlich!
In Johanna Wehners Frankfurter Inszenierung geht es...
Im späten Sommer dieses Jahres prangte auf den Straßen von Berlin etwas Verstörendes: «Asynchrones / verknotetes / unübersichtliches Deutsches Theater» las man auf den Plakaten, die den Start ebendieses Deutschen Theaters unter Neu-Intendantin Iris Laufenberg ankündigten. Eine ungewöhnlich sperrige Form der Einladung. Wer sich nicht abschrecken ließ, fand beim...
