Wissen wir noch, wo wir sind
Man muss sich den Kollegen A als wirklich streberhaften Musterbürger vorstellen: geschätzte dreißig, Druckereiangesteller, Vater einer kleinen Tochter in eheähnlicher Lebensgemeinschaft, gediegen linksliberal. Und weil sich A (Sascha Göpel) selbstredend als solidarischer Zeitgenosse versteht, springt er kurzfristig für einen verhinderten Kumpel an der Kasse eines Alternativklubs ein, für den er normalerweise nur die Flyer druckt.
Leider erwischt er einen Weltmusik-Abend, den sich «Die Einzigen» – «Hipsternazis» mit den üblich kruden, aber in elaboriertem Code vorgetragenen Argumenten – für eine «Guerilla»-Provokation ausgesucht haben: Es kommt zu Handgreiflichkeiten inklusive Polizeieinsatz; und am Ende des Tages findet sich A – im Selbstverständnis eher redlicher Schlichter – als angeklagter «Rädelsführer» einer ominösen linksextremen Gruppierung vor Gericht wieder. Auf dem Weg zur finalen «Aussetzung des Verfahrens» verliert er seinen Job, seine Familie und einen Großteil seines Vertrauens in Exekutive wie Judikative.
Lutz Hübners und Sarah Nemitz’ Stück «Ein Exempel. Mutmaßungen über die sächsische Demokratie» stößt sich von einem realen Vorfall ab: Im Februar 2011 blockierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Dresden:, Seite 65
von Christine Wahl
Die letzten Tage der Menschheit sind jetzt auch schon wieder hundert Jahre her. Aus gegebenem Anlass war das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele 2014 monothematisch dem Ersten Weltkrieg gewidmet, und da führte an Karl Kraus’ großem Wiener Weltkriegstheater «Die letzten Tage der Menschheit» (1922) kein Weg vorbei.
Die im Landestheater als Koproduktion mit...
Bernd Noack Das Drama der Stunde ist «Die letzten Tage der Menschheit» von Karl Kraus. In Wien kann man gleich an zwei Häusern Neuinszenierungen sehen. Kraus selber sagte es praktisch voraus, dass man vergessen wird, was damals geschehen ist, und deshalb genauso weitermachen wird. Ist die Menschheit unfähig zu lernen?
Franz Schuh Die Tatsache, dass dieses Drama...
Die Nachricht von Gottfried Johns Tod erfuhr ich durch die Medien. Das hätte früher, als wir uns kennenlernten, keiner von uns gedacht, nämlich, dass je einer von uns sterben könnte, ganz zu schweigen davon, dass wir nicht ständig übereinander Bescheid gewusst hätten.
Wir sprachen oft über den Tod, aber ebenso häufig über die Liebe, das Theater, die
Literatur, die...
