Wissen wir noch, wo wir sind

Lutz Hübner/Sarah Nemitz «Ein Exempel», nach Dostojewski «Dämonen»

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Man muss sich den Kollegen A als wirklich streberhaften Musterbürger vorstellen: geschätzte dreißig, Druckereiangesteller, Vater einer kleinen Tochter in eheähnlicher Lebensgemeinschaft, gediegen linksliberal. Und weil sich A (Sascha Göpel) selbstredend als solidarischer Zeitgenosse versteht, springt er kurzfristig für einen verhinderten Kumpel an der Kasse eines Alternativklubs ein, für den er normalerweise nur die Flyer druckt.

Leider erwischt er einen Weltmusik-Abend, den sich «Die Einzigen» – «Hipsternazis» mit den üblich kruden, aber in elaboriertem Code vorgetragenen Argumenten – für eine «Guerilla»-Provo­kation ausgesucht haben: Es kommt zu Handgreiflichkeiten inklusive Polizeieinsatz; und am Ende des Tages findet sich A – im Selbstverständnis eher redlicher Schlichter – als angeklagter «Rä­delsführer» einer ominösen linksextremen Gruppierung vor Gericht wieder. Auf dem Weg zur finalen «Aussetzung des Verfahrens» verliert er seinen Job, seine Familie und einen Großteil seines Vertrauens in Exekutive wie Judikative.

Lutz Hübners und Sarah Nemitz’ Stück «Ein Exempel. Mutmaßungen über die sächsische Demokratie» stößt sich von einem realen Vorfall ab: Im Februar 2011 blockierten ...

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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Dresden:, Seite 65
von Christine Wahl

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