Wirkungen und Nebenwirkungen

Die paradoxen Probleme der Identitätspolitik – ein Essay

Petitionen, Demonstrationen, Blockaden, Polizeigroßeinsatz, Hubschrauber gar … Am Ende wurden die Aufführungen von Brett Baileys Performance-Installation «Exhibit B» (2012) mit ihren expliziten Bildanleihen bei Völkerschauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im September 2014 vom Londoner Barbican Centre abgesagt.1 Während die Performance zuvor ohne größeres Aufhebens in Österreich, Deutschland, aber auch in Großbritannien gezeigt worden war, gab es nun auch an nachfolgenden Tourstationen heftige Auseinandersetzungen.

Einerseits ging es um den repräsentationskritischen Appell, Gewalt nicht durch ihre Abbildung zu wiederholen und um die Frage, ob «Exhibit B» nicht lediglich eine upgedatete Form exotisierenden Voyeurismus’ bediene. Andererseits – und wohl vor allem – bot die Arbeit einen Anlass, grundsätzlicheren Unmut öffentlich zu machen. Baileys Show – wenig zimperlich in ihrer Bildsprache ausgestellter schwarzer Körper auf Podesten oder hinter Maschendraht – war zu einem Katalysator geworden für eine größere gesellschaftliche Debatte über rassistische Klischees und nicht aufgearbeitetes koloniales Erbe. Die Forderung der DemonstrantInnen: «No more human zoo!» zielte weiter als ...

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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Identitätspolitik, Seite 48
von Florian Malzacher