Erkenne die Lage!
Franz Wille Hallo, Herr Melle. Schön, dass wir uns in Corona-Zeiten wenigstens über Skype sprechen! Das Video ins Home-Office gibt ja auch immer ganz interessante Einblicke; man sieht, wie der Gesprächspartner wohnt, womit wir auch schon bei Ihrem neuen Stück wären. Bei Ihnen sieht es ja recht Berlin-Altbau-herrlich aus: Stuckdecke, hohe Wände. Gratuliere!
Thomas Melle Ja, und ein Bild von Martin Eder an der Wand. Bücher gibt’s auch wieder! (Lachen.) Bekommen habe ich die Wohnung natürlich über Kontakte.
Die Wohnung gehört dem Vater eines Bekannten. Übrigens – Thema Wie-kommt-man-wo-rein – ist mir der Wohnungsschlüssel abgebrochen neulich nachts; der Schlüsseldienst kostete 1300 Euro! Auch deshalb freue ich mich sehr, dass «Theater heute» mein Stück abdruckt.
FW Wann haben Sie denn zum letzten Mal eine Wohnung gesucht?
Melle Hier wohne ich seit 2016: Kreuzberg, Bergmannkiez. Vorher habe ich in Neukölln gewohnt; dafür bin ich allerdings jetzt schon ein bisschen zu alt. Davor war ich in Charlottenburg in einem Obdachlosenheim, wie jeder weiß, der mein Buch «Die Welt im Rücken» kennt. Aber ich sage mir immer ganz unbescheiden: David Foster Wallace ist es auch so ergangen, und ...
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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Das Stück, Seite 46
von Franz Wille
Petitionen, Demonstrationen, Blockaden, Polizeigroßeinsatz, Hubschrauber gar … Am Ende wurden die Aufführungen von Brett Baileys Performance-Installation «Exhibit B» (2012) mit ihren expliziten Bildanleihen bei Völkerschauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im September 2014 vom Londoner Barbican Centre abgesagt.1 Während die Performance zuvor ohne größeres...
Es begann als ein Ding in weiter Ferne. Irgendwo in China. Wir hatten schon früher von solchen Sachen gehört. Von Viren, die auf Menschen überspringen, auf Freiluftmärkten, wo Tiere, von denen wir noch nie gehört hatten, geschlachtet und verkauft wurden. Das hatten wir schon mal gehört. Dann hörten wir etwas anderes. Von Experimenten an Fledermäusen und von einem...
Als Treffpunkt schlägt Alexander Giesche das «sphères» vor, eine Mischung aus Café, Bühne und Buchladen am Rande des Zürcher Industriequartiers. Die Gegend macht einen räudigen Eindruck, Ausfallstraßen, ein Straßenbahndepot, schmucklose Bürohäuser. Aber man sollte sich nicht täuschen: Das Industriequartier ist schon längst konsequent verhipstert. Google hat hier...
