Gaming: Jam-Session für Nerds

«Games on Stage» – in Düsseldorf erproben Theatermacher*innen neue Ansätze und Erzählformen zwischen Bühne und Joystick

Sechs Augenpaare starren gebannt auf eine verlebte Küchenzeile. Vorsichtig öffnet eine Besucherin die erste Tür des Hängeschranks – nichts passiert. Tür zwei – nichts passiert. Tür drei – aaaaah! Aus dem Laptop, der zwischen Kabeln und Konzeptpapieren auf dem Küchentisch steht, erklingt plötzlich Partymusik. Und in der digitalen Nachbildung der Küchenzeile, die auf dessen Bildschirm zu sehen ist, beginnt Schrank Nummer drei bunt zu blinken und zu strahlen. Immer lauter und heller, je weiter die reale Schranktür aufgeht, immer leiser und schwächer, wenn sie schließt.

Eine fast kindliche Begeisterung macht sich breit. 

Der Küchenzauber ist ein kleiner Quantensprung: eine Interaktion zwischen virtueller und realer Realität. Das ist bisher selten im vergleichsweise jungen Genre Game-Theater. Dessen federführende Akteur*innen kommen hier im FFT Düsseldorf zum Arbeitstreffen «Game on Stage» aus aller Welt zusammen. Bisher laufen Inszenierungen, die Theater- und Computerspiel-Erlebnis zusammenbringen, oft ent­weder komplett digital oder komplett analog ab: Das eine Extrem sind ausgefeilte Virtual-Rea­lity-Welten wie die VR-Version der «Borderline Prozession» des Schauspiels Dortmund und ...

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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Cornelia Fiedler