Gaming: Jam-Session für Nerds
Sechs Augenpaare starren gebannt auf eine verlebte Küchenzeile. Vorsichtig öffnet eine Besucherin die erste Tür des Hängeschranks – nichts passiert. Tür zwei – nichts passiert. Tür drei – aaaaah! Aus dem Laptop, der zwischen Kabeln und Konzeptpapieren auf dem Küchentisch steht, erklingt plötzlich Partymusik. Und in der digitalen Nachbildung der Küchenzeile, die auf dessen Bildschirm zu sehen ist, beginnt Schrank Nummer drei bunt zu blinken und zu strahlen. Immer lauter und heller, je weiter die reale Schranktür aufgeht, immer leiser und schwächer, wenn sie schließt.
Eine fast kindliche Begeisterung macht sich breit.
Der Küchenzauber ist ein kleiner Quantensprung: eine Interaktion zwischen virtueller und realer Realität. Das ist bisher selten im vergleichsweise jungen Genre Game-Theater. Dessen federführende Akteur*innen kommen hier im FFT Düsseldorf zum Arbeitstreffen «Game on Stage» aus aller Welt zusammen. Bisher laufen Inszenierungen, die Theater- und Computerspiel-Erlebnis zusammenbringen, oft entweder komplett digital oder komplett analog ab: Das eine Extrem sind ausgefeilte Virtual-Reality-Welten wie die VR-Version der «Borderline Prozession» des Schauspiels Dortmund und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2020
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Cornelia Fiedler
Petitionen, Demonstrationen, Blockaden, Polizeigroßeinsatz, Hubschrauber gar … Am Ende wurden die Aufführungen von Brett Baileys Performance-Installation «Exhibit B» (2012) mit ihren expliziten Bildanleihen bei Völkerschauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im September 2014 vom Londoner Barbican Centre abgesagt.1 Während die Performance zuvor ohne größeres...
Antú Romero Nunes’ «Ode an die Freiheit» ist: ein Film. Eigentlich hatte das Hamburger Thalia Theater ein Mashup dreier politischer Schiller-Stücke geplant, ein Plan, den allerdings die Corona-bedingten Theaterschließungen verhindert haben. Weswegen der Regisseur die Proben kurz vor der Premiere Ende März abbricht und auf eine mehrteilige Verfilmung des Stoffs...
Paris, nach der Apokalypse. Ein humanoider Roboter spielt in der Pariser Garnier-Oper den Hauswart und mehr. Er putzt und fegt, staubt Büsten ab, stimmt einen Flügel ... Am Abend setzt er sich in den Saal, zückt eine Fernbedienung. Das Hologramm einer Tänzerin flackert auf der Bühne auf. Zu den Klängen einer Geisterballade schwebt die Danseuse étoile Amandine...
