Wirklichkeit im Reich der Zeichen
Nebel im Olivenhain und Nebel im Gemüt. Endlose Minuten schleichen wir mit Merle durch das südfranzösische Ferienhaus ihres älteren Geliebten, in dem es trotz Sommerhitze ordentlich fröstelt. Weil dieser Geliebte Romuald mit seiner Anreise tagelang auf sich warten lässt, muss Merle mit seinen pubertierenden, wohlstandsverzogen dahindämmernden Kindern allein klar kommen. Sie belauern sich, sie befreunden sich und schließlich befummeln sie sich noch ein wenig aus einer traurigen emotionalen Übersprungshandlung heraus – wie’s Vernachlässigten halt so passieren kann.
Vernachlässigt sitzt man da auch im Kinosessel, wenn dieser Berlinale-Streifen «Halbschatten» (von Theater- und Filmemacher Nicolas Wackerbarth) wortkarg und weltverloren über die Leinwand schleicht. Und es hilft nicht einmal, dass jene Merle mit einiger Nehmerqualität von Anne Ratte-Polle gespielt wird, die man so verflucht gern mal wieder in ihrer einzigartigen Explosivität mitten im Diskursgewitter der Berliner Volksbühne sehen würde.
Theatergesichter in Nahaufnahme
Ja, man hatte auf der 63. Berlinale ausgiebig Gelegenheit, die Pathosformeln des zeitgenössischen Autorenfilms kennenzulernen. Zumindest, wenn man sich ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Berlinale, Seite 30
von Christian Rakow
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«Nullen und Einsen» ist...
