Wir haben uns selbst gecancelt

Eva Löbau beschreibt, wie und warum ihre freie Gruppe «Die Bairishe Geisha» sich nach 21 Jahren auflöst

Beeinflusst durch die gegenwärtig in der Gesellschaft und also auch an den Theatern verhandelten Themen wie Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, Rassismus, Identität und Repräsentation haben wir unser Performance-Kollektiv aufgelöst. Geplant war ein Jubiläum. Es wurde ein Abschied. Die Bairishe Geisha wurde letztes Jahr 21. Sie war gleichzeitig Corporate Identity unseres Kollektivs und der Name, der in unseren Performances wiederkehrenden «urbanen Mythengestalt» einer bayerischen Geisha. 

Das Konzept der Jubiläumsfeier war: Wir vererben unser Werk an junge Theaterleute.

Ihre Auseinandersetzung mit unserem Material würden sie dann in einer gemeinsamen Veranstaltung aufführen, zu der wir, meine Kollegin Judith Huber und ich, mit einem neuen Stück über das Altern beitragen wollten. Unsere Quelle war die Novelle «Schwierigkeiten beim Verständnis der Narayama-Lieder» von Shichiro Fuakazawa. Sie erzählt von einer prekären Dorfgesellschaft, in der traditionell, weil das Essen kaum für alle reicht, die alten Leute auf den Berg Narayama pilgern bzw. hinaufgetragen werden, um von dort nicht mehr zurückzukehren. Wir lasen die Geschichte als Metapher auf die Förderstrukturen der Stadt München. ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 88
von Eva Löbau

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