Willkommen im Hotel der Wasser-Wunder!
Dieses Grandhotel hat schon bessere Tage gesehen. Ohnehin erinnert es mit Schwingtüren und Holzvertäfelung eher an einen Westernsalon als an ein Hotel der gehobenen Art. Aber man muss zugeben: Die Lage ist wirklich einzigartig. Mitten im See gelegen, zu erreichen nur per Boot und über einen geschwungenen Metallleiter-Steg. Aber trotzdem: Irgendetwas ist merkwürdig.
Plötzlich blubbert das Wasser, und eine Musikcombo taucht auf wie ein Wrack bei der Bergung; die vier Herren zupfen die Saiten und hauen in die Tasten, als wäre es völlig egal, dass ihnen das Wasser aus Haaren, Kleidern und Instrumenten rinnt. Der Eindruck des Seltsamen verstärkt sich noch, als ein Boot um die Ecke biegt. Darauf eine siebenköpfige Hochzeitsgesellschaft, die ein Fährmann durch das Wasser stakt. Der sieht aus wie Charon, der Gestorbene ins Totenreich Hades schippert: das Gesicht unter einer riesigen schwarzen Kapuze versteckt, der Rücken gebogen, als trage der die Last der Welt. Kaum sind Brautpaar, Brautvater und die Gäste über die Metallleiter geklettert, erscheinen auch noch ein tatteriger Kellner und ein Rezeptionist; beide begrüßen die Damen und Herren zwar sehr herzlich, aber der Rezeptionist ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Valeria Heintges
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