Wilder Osten

Theater vor Kriegsgeschehen: Das Hamburger Thalia untersucht mit Hakan Savas Micans Tschechow-Neufassung «Wanja in der Gaußstraße» und Jette Steckels Dramatisierung von Nino Haratischwilis Roman «Das mangelnde Licht» postsowjetische Befindlichkeiten

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Das Thalia Theater versteht sich nicht nur als Staatstheater, sondern auch als Kommunikationskanal nach Osteuropa. Immer wieder stehen osteuropäische Stoffe auf dem Spielplan der Hamburger Bühne; man ist stolz, dass man mit Ewelina Marciniak, Kornél Mundruczó und Kirill Serebrennikow wichtige Regisseur:innen aus Polen, Ungarn und Russland ans Haus gebunden hat.

Die Dramaturgie nimmt Anteil an der Region, und auch wenn es nicht geplant war, dass zwei Premieren mit osteuropäischen Themen nur wenige Stunden, nachdem die russische Armee in die Ukraine einmarschierte, auf dem Spielplan stehen – muss man sich nun dazu verhalten.

In Hakan Savas Micans Neufassung von Anton Tschechows «Onkel Wanja» unter dem Titel «Wanja in der Gaußstraße» geschieht dies so, dass Daniel Kahn als Telegin schon während des Einlasses am Klavier klimpert, um schließlich zu einem kleinen Chanson anzuheben: «Dem russischen Kaiser zu dienen, ist nicht gut / denn er badet / in unserem Blut.» Und für alle, denen das nicht deutlich genug war, ruft Kahn mit dem Schlussakkord auch noch aus: «Freiheit und Frieden für die Ukraine!» Die Faust geht in die Höhe, kurzer Applaus, Schluss mit tagespolitischen Statements.

Das ...

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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Falk Schreiber

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