Wilder Osten
Das Thalia Theater versteht sich nicht nur als Staatstheater, sondern auch als Kommunikationskanal nach Osteuropa. Immer wieder stehen osteuropäische Stoffe auf dem Spielplan der Hamburger Bühne; man ist stolz, dass man mit Ewelina Marciniak, Kornél Mundruczó und Kirill Serebrennikow wichtige Regisseur:innen aus Polen, Ungarn und Russland ans Haus gebunden hat.
Die Dramaturgie nimmt Anteil an der Region, und auch wenn es nicht geplant war, dass zwei Premieren mit osteuropäischen Themen nur wenige Stunden, nachdem die russische Armee in die Ukraine einmarschierte, auf dem Spielplan stehen – muss man sich nun dazu verhalten.
In Hakan Savas Micans Neufassung von Anton Tschechows «Onkel Wanja» unter dem Titel «Wanja in der Gaußstraße» geschieht dies so, dass Daniel Kahn als Telegin schon während des Einlasses am Klavier klimpert, um schließlich zu einem kleinen Chanson anzuheben: «Dem russischen Kaiser zu dienen, ist nicht gut / denn er badet / in unserem Blut.» Und für alle, denen das nicht deutlich genug war, ruft Kahn mit dem Schlussakkord auch noch aus: «Freiheit und Frieden für die Ukraine!» Die Faust geht in die Höhe, kurzer Applaus, Schluss mit tagespolitischen Statements.
Das ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Falk Schreiber
Düdelingen liegt um die Ecke, «Dudelange» in der französischen Version; wie fast alle Städtchen hier immerzu die Namen wechseln, am Bahnsteig, bei der Post, in der Zeitung. Dies ist der äußerste Südzipfel vom Großherzogtum Luxemburg; und wie klein auch alles wirkt, so ist es doch eine der internationalsten Regionen Europas, mit ungezählten, rundum europäisch...
Hunde – waren das auf George Orwells «Animal Farm» nicht die bissigen Handlanger, mit denen die Schweine ihre neue Diktatur festigen? In Sapir Hellers Neufassung am Münchner Volkstheater trottet dagegen zu Beginn eine behäbige Hündin ostentativ harmlos nach vorn an die Rampe und erzählt lefzensynchron mit der Stimme von Philipp Lind aus dem Off, wie das damals war,...
Mein Leben mit dem Theater begann im März 1970, als ich in einer Schülergruppe bei den Städtischen Bühnen Münster mitarbeitete. Wir spielten die Fußball-Fans in Peter Tersons «Zicke-Zacke», einem Stück, das damals bundesweit Erfolge feierte. Die Deutsche Erstauf -führung hatte Hans Neuenfels in Heidelberg inszeniert. Es handelte von Gewalt unter den gegnerischen...
