Wiesbaden: Apokalypse mit Glühbirne
Dass die mindestens hundertachtzig Fremdsprachen beherrschende Karrieristin Verena Schütz (Barbara Dussler) nach ihrem Bewerbungsgespräch im Stadtpark beinahe von einer Krähe erschlagen wird, schürt natürlich erst einmal große apokalyptische Hoffnungen. Das Internet versagt, der Strom fällt aus, die Konsumenten schieben Panikattacken, und das Animalische segelt ihnen im freien Fall vor die Füße: Klingt nach einer zünftigen Wohlstandsbürger-Dämmerung, bei der es endlich mal die Richtigen trifft.
Je weiter Philipp Löhles «Kollaps» allerdings voranschreitet, desto bescheidener nimmt er sich gegen verbriefte Katastrophen-Klassiker wie Alfred Hitchcocks «Vögel» tatsächlich aus.
Denn was zunächst nach Weltuntergang aussieht, erweist sich letztlich nur als Kurzzeit-Störfall. Ein paar lichtlose, unvernetzte und entsprechend vermeintlich perspektivlose Stunden lang wird der gemeine außengeleitete Zeitgenosse quasi auf sein Innerstes zurückgeworfen – wo es, wie wir wissen, in aller Regel nicht besonders üppig ausschaut. Der Uraufführungsregisseur Jan Philipp Gloger, der Löhles Auftragswerk fürs Hessische Staatstheater Wiesbaden ansonsten mehr oder weniger vom Blatt spielen lässt, ist an ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Christine Wahl
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