Wien: Rhythmische Gymnastik

Gintersdorfer/Klaßen nach Horváth «Geschichten aus dem Wiener Wald»

Theater heute - Logo

Dass Ödön von Horváths Volksstück «Geschichten aus dem Wiener Wald» sich ausgerechnet in Wien so ungebrochener Beliebtheit erfreut, ist eigentlich erstaunlich. Obwohl der Wiener Seele darin ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt wird, wird das Stück fast ständig auf irgendeiner Wiener Bühne gespielt. So, wie die «Geschichten» derzeit im Werk X interpretiert werden, hat man sie aber noch nie gesehen. 

Das Theater hatte nämlich die interessante Idee, bei der Gruppe Gintersdorfer/Klaßen anzufragen, ob sie sich nicht mal mit Horváth beschäftigen möchte.

Für das überwiegend aus der Elfenbeinküste stammende Ensemble ist das Wien der Zwischenkriegszeit eine sehr fremde Welt – und aus der Distanz eröffnen sich überraschende Perspektiven auf einen beinahe schon zur Folklore gewordenen Klassiker. 

Auf der Bühne kommt es zu einem doppelten Übersetzungsvorgang: Einerseits übersetzt Hauke Heumann, der einzige deutschsprachige Schauspieler der Gruppe, die Texte seiner drei ivorischen Kollegen aus dem Französischen; andererseits übertragen alle die von Horváth entworfenen Szenarien stets gleich auf ihre ganz persönlichen Lebensumstände. Wenn Alfred etwa in der ersten Szene seine Mutter in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
«Ich habe kein Vertrauen mehr in Politiker»

Theater heute Wenn man die biografischen Texte in «Die Abschaffung der Familie» liest, könnte man denken, die Republik Moldau ist nur einen kleinen Schritt vor der Hölle: extrem verarmt, brutal patriarchalisch und ohne funktionierenden Rechtsstaat. 

Nicoleta Esinencu Ganz und gar nicht. Ich sehe dasselbe hier. Wir leben doch alle in patriarchalischen...

Triumph der Illusion

Man kann es kommen sehen. Dass in dieser Ballettstunde nicht alles mit richtigen Dingen zugeht, ist eigentlich schon auf den ersten Blick klar. Schließlich steht die Ballettlehrerin Beatrice «Trixie» Cordua mit ihren achtzig Jahren nackt auf der Bühne. Wie selbstverständlich fordert sie ihre Schülerinnen dazu auf, die Ballettstangen auf die Bühne zu stellen, um...

Klimatheater: Genuss und Bestürzung

Nicht, dass niemand es hat kommen sehen! Eine riesige, hässliche «Welle» aus Polstern, Kissen, in gewaltige Säcke gestopften Hüpfbällen und Füllmaterialien wälzt sich in Zeitlupe aus der Bühnentiefe in Richtung Rampe. Anscheinend wird sie von vier Showcase-Beat-Le-Mot-Performern nach vorne geschoben (gelegenlich sieht man zufällig einen Arm oder Kopf). Etliche...