Wien: Aus dem Takt

Tschechow «Iwanow», «Drei Schwestern»

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Möchte man Tschechow inszenieren, kommt man nicht um die Frage herum, wie man Langeweile zeigt, ohne selbst langweilig zu werden. «Iwanow» hat schließlich einen Helden im Zentrum, der noch wehleidiger und passiver ist als die vielen anderen Tschechow-Figuren, die sich als überflüssige Menschen in der Provinz herumplagen.

Ist das doch noch tragisch oder schon wieder komisch? Schwierige Frage, scheinbar konnte sich Tschechow selbst nicht so recht entscheiden: Das 1887 entstandene Stück wurde ursprünglich als Komödie uraufgeführt, 1889 in einer überarbeiteten Fassung als Tragödie ver­öffentlicht.

Der ungarische Regisseur Victor Bodó möchte im Wiener Volkstheater beide Stränge bedienen. Die Bühne (Lorinc Boros) sieht wie ein abgewohnter russischer Vereinssaal aus, die Wanduhr ist gänzlich aus dem Takt, mal laufen die Zeiger ganz schnell vor, dann wieder nach, und die rostige Klimaanlage dient allein dazu, eine Fliege, die alle quält, schlussendlich zu rösten.  Überhaupt sieht es hier aus, als hätte man ein Viebrock-Bühnenbild am Flohmarkt gefunden und recycelt. Iwanow (Jan Thümer) wirkt zu Beginn, wenn er in Unterwäsche auf die Bühne schlendert, wie ein müder zeitgenössischer Hipster; ...

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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Karin Cerny

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