Bremen: Familienaufstellungen
Nora barmt. «Dein kleines Eichhörnchen würde herumhüpfen und Kapriolen schlagen, wenn du lieb und artig bist» säuselt Karin Enzler im eigenartig verrutschten Konjunktiv. Aber ein Hüpfen kann man sich ganz und gar nicht vorstellen bei dieser Nora, die kühl und emotionslos halb zu sich selbst spricht, halb ans Publikum und praktisch gar nicht an ihre Mitspieler. Enzler probiert Sätze aus, Ibsen-Text, dazu eine kleine Geste, ein Hochziehen der Augenbrauen, dann reicht sie die Rolle weiter an Lisa Guth. An Robin Sondermann. An Siegfried W. Maschek.
Sechs Schauspieler treten auf in Felix Rothenhäuslers Bremer Inszenierung von Henrik Ibsens Emanzipationsdrama «Nora oder Ein Puppenheim», alle dürfen kurz Nora sein, (fast) alle Torvald, Krogstad, Kristine, es gibt keine Rollenattribute, es gibt nicht einmal echte Figuren. Es gibt nur noch die Strukturen zwischen den Protagonisten: aseptische Küsschen zwischen den Eheleuten, bürgerliche Konvention.
Die Auflösung der Protagonisten, die Konzentration auf das, was zwischen den Figuren passiert, ist Rothenhäuslers zentrale Idee. Was zur Folge hat, dass der Abend schauspielerisch auf ein Minimum zurückgefahren ist. Man könnte das Konzept als ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Falk Schreiber
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