Wie geht‘s uns denn heute?

Stephan Kimmig erforscht mit Gorkis «Kinder der Sonne» am Deutschen Theater emotionale Befindlichkeiten des akademischen Mittelstands; Falk Richter und Anouk van Dijk mit «Protect me» an der Berliner Schaubühne

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Das Unbehagen in der Kultur» ist anscheinend Privileg derer, die für Kultur verantwortlich sind. Schon Sigmund Freud zog 1930 ein kritisches Resümee der Moderne und ihrer Errungenschaften, zu denen auch die Psychoanalyse zählt: So sehr der Mensch sein Triebleben zugunsten der Beherrschung der Natur auf Eis gelegt habe, die Aggression verschwinde so nicht aus der Welt. Wo der Mensch sich immer mehr selbst regiere, richte sie sich nur mehr gegen ihn selbst.

Davon kann «der Autor» auf der Schaubühne am Lehniner Platz ein Liedchen singen.

Eigent­lich sollte es ihm ja bestens gehen – schicke Schauspielerfreundin, lukrative und den sozialen Status befördernde Opernregieaufträge, überhaupt ein kreativer, Selbstverwirklichung ermöglichender Beruf zwischen komfortablen Hotelzimmern und ausgleichenden Therapiesitzungen. Trotzdem steckt der Mann in der Krise: Seine «lang­jährige Beziehung ist gerade weggebrochen», dann der ständige Produktivitätszwang, die traurigen Routinen, obendrein der vierzigste Geburtstag. Im eigenen Spiegelbild lauern Verfall und Vergeblichkeit («Oh Gott, was ist das denn? Ein in die Jahre gekommener Teenager!»), und erst recht beim kranken Vater, dessen ...

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Theater heute Dezember 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 27
von Eva Behrendt

Vergriffen
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