Wie frei ist die Freie Szene?
Gerald Siegmund Der Begriff der Freien Szene wurde in Deutschland mit Verspätung in den 1980er Jahren geprägt, wo er verbunden war mit einem bestimmten soziokulturellen Milieu, für das freies Theater in Abgrenzung zum institutionellen Stadt- und Staatstheater stand. Die Abgrenzung erfolgte in Bezug auf Themen, Ästhetiken, Spielweisen und verstärkt seit den 1990er Jahren auch im Hinblick auf die Produktionsweisen der Gruppen.
Macht diese Trennung in Freie Szene und Stadttheater heute noch Sinn?
Martine Dennewald Wenn ich als Ausländerin von außen draufschaue, frage ich mich, was diese Freie Szene heute eigentlich ist. Von ihren Produktionsweisen her betrachtet, sind schätzungsweise 90 Prozent der Künstler, die in Frankfurt leben und arbeiten, «freie» Künstler. Das bedeutet, dass wir von einer Mehrheit sprechen und nicht mehr länger von einer Minderheit oder einer Außenseiterposition zu etwas Etabliertem. Meiner Erfahrung nach entscheidet sich die jüngere Generation von freien Theaterkünstlern nicht mehr gegen eine Institution wie das Stadttheater, sondern sie beansprucht ganz selbstverständlich und selbstbestimmt gewisse Merkmale dieses freien Arbeitens wie Produktionsstrukturen, ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Freie Szene, Seite 36
von Gerald Siegmund
Auf der Bühne liegt ein großes schwarzes Ding. Es liegt die ganze Zeit da, ohne dass je deutlich würde, was es überhaupt ist. Das Ding könnte ein riesiger alter Scheinwerfer sein, vielleicht irgendwas Militärisches oder auch etwas ganz anderes. Egal: Offensichtlich hat das Ding ohnedies bloß Symbolcharakter. Es steht für etwas, was irgendwann passiert ist und jetzt...
Fast klingt es wie Schlag, doch SCHAG besteht aus den russischen Anfangsbuchstaben von Schweiz, Avstrija und Germanija, zugleich das russische Wort für Schritt. Als 2011 der vierte SCHAG-Band in Moskau erschien, war das die größte Anthologie neuer deutschsprachiger Dramatik im Ausland: 36 Stücke auf rund 1.800 Seiten. Zehn Jahre zuvor hatte der Leiter des Moskauer...
Und plötzlich ist da eine, die leuchtet. Ein Stern. Kein Star, aber ein Stern. Ein Star hat diese Aura einer irgendwie absonderlichen Besonderheit, einen Tick, einen Spleen, eine Masche, die ihn sofort wiedererkennbar macht, ein Markenzeichen oder auch nur eine Marketing-Strategie. Ein Stern ist lauter. Nicht lauter im Sinn von mehr als laut, obwohl auch er sich...
