Wider die losen Holluncken
Du musst deine Arbeit lieben», hat der Bühnenbildner Tobias Wartenberg mal zu mir gesagt. Bevor ich ans Theater kam, hatte er, damals Ausstattungsleiter an der Neuen Bühne Senftenberg zur Zeit der Intendanz Sewan Latchinians, für mich eine Tabelle angelegt: links die Vor-, rechts die Nachteile des neuen Jobs als Dramaturg. Die rechte Spalte – dreimal so lang wie die linke. Ich habe trotzdem unterschrieben und diese Entscheidung keinen Tag bereut.
Warum denke ich heute daran? Es ist Jahre her, und ich bin in Görlitz. Seit Mitte Mai spielen wir «Gatsby!» nach F.
Scott Fitzgeralds großem Roman. Mit viel Schweiß und Kraft haben wir die Geschichte vom Sterben des amerikanischen Traums in den mit 4000 Quadratmetern eher kleinen Teil einer in der Gründerzeit erbauten und seit Jahrzehnten leerstehenden Maschinenfabrik gesetzt. Ohne die Menschen am Theater, die ihre Arbeit lieben, hätten wir diese «riesengroße Party» nie realisieren können. Sie steckt allen noch in den Knochen.
Jetzt, am letzten Juni-Wochenende, leisten wir uns eine Pause von diesem Spiel. Von der Arbeit nicht. Auf der Promenade, unmittelbar an der Altstadtbrücke, die seit 2004 beide Ufer der Neiße wieder miteinander ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Martin Stefke
Autor:innentheatertage? Allerdings – und zwar im allerweitesten Sinn, denn die Gastspielserie im Deutschen Theater hat den Autor:innenbegriff bewegungsgymnastisch gedehnt. Da gab es im eingeladenen Programm deutschsprachiger Bühnen neben neuer Dramatik von Dea Loher oder Raphaela Bardutzky gleich zu Beginn eine Romandramatisierung von Lukas Bärfuss’ «Die Krume...
Bettina Schmidt geht es gut, nur ein wenig müde sei sie, als wir uns an diesem wolkenverhangenen Tag im Clara-Zetkin-Park treffen. Kaum zu glauben, denn Schmidts hellblaue Augen scheinen hinter der großen, runden Brille wacher denn je. Ihre kurzen, blonden Locken lassen sie sanfter wirken als das sonst auch mal glatt ge -striegelte Haar auf der Bühne des Schauspiel...
Das ist also das allerletzte Abschiedswort. Zum endgültigen Ende von Joachim Lux 16 Jahre dauernder Intendanz am Hamburger Thalia Theater gibt es noch die Dramatisierung von Édouard Louis’ Roman «Anleitung, ein anderer zu werden» als Einpersonenstück auf der Nebenbühne der Nebenbühne (das Thalia in der Gaußstraße besitzt einen winzigen Spielort namens «Werkstatt»,...
