Bedrohliche Verbundenheit
Was für ein Plot! Er beginnt mit einem Traum. Ein Traum, der in der Realität erzählt wird: Aline sieht im Schlaf ihren einstigen Peiniger. Sieht ihn neben sich liegen, «als wäre er mein Mitbewohner». Aline lebt heute irgendwo in Europa. Geflüchtet ist sie aus Syrien, wo sie in einem Gefängnis vom syrischen Geheimdienst gefoltert wurde. Ihren Traum erzählt sie einem Mann, ihrem Freund, ihrem Partner. Beide sitzen auf einem Tisch, sie lehnt ihren Kopf an seine Schulter. Vertraut sehen die beiden aus.
Aber aus dem Traum wird eine Romanidee, aus der Fiktion eine be -unruhigende Realität auf mehreren Ebenen. Und aus Vertrauen angebrachter Zweifel.
«Braveheart» heißt die Produktion des Collective Ma’louba. Das arabischsprachige Künstler:innenkollektiv zeigt Inszenierungen in der Muttersprache. 2017 wurde es gegründet, damals als Residenztheater am Mülheimer Theater an der Ruhr und gefördert vom Land und von der Kulturstiftung des Bundes. Seit 2022 produziert das Kollektiv selbstständig, dem Theater an der Ruhr ist es weiterhin in Koproduktionen eng verbunden. «Braveheart» ist nicht das erste verwirrende Spiel auf und mit verschiedenen Ebenen. In «Up There» (2022) zum Beispiel will ein ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Sarah Heppekausen
Für die Abstiegsangst einer Generation, die gerade erst halbwegs ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hat, findet Ewe Benbenek in ihrem zweiten Stück «Juices» (abgedruckt in TH 10/23) ein glamouröses Bild: Die Schauspieler: -innen klammern sich in der ersten Szene verzweifelt an einen Lüster (der hier in polnischem Englisch «Czandelier» genannt wird). Im Wiener...
Das ist also das allerletzte Abschiedswort. Zum endgültigen Ende von Joachim Lux 16 Jahre dauernder Intendanz am Hamburger Thalia Theater gibt es noch die Dramatisierung von Édouard Louis’ Roman «Anleitung, ein anderer zu werden» als Einpersonenstück auf der Nebenbühne der Nebenbühne (das Thalia in der Gaußstraße besitzt einen winzigen Spielort namens «Werkstatt»,...
Du musst deine Arbeit lieben», hat der Bühnenbildner Tobias Wartenberg mal zu mir gesagt. Bevor ich ans Theater kam, hatte er, damals Ausstattungsleiter an der Neuen Bühne Senftenberg zur Zeit der Intendanz Sewan Latchinians, für mich eine Tabelle angelegt: links die Vor-, rechts die Nachteile des neuen Jobs als Dramaturg. Die rechte Spalte – dreimal so lang wie...
