Who is who?
Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste das besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben. So hat Jan Bosse in seiner «Amphitryon»-Inszenierung am Maxim Gorki Theater Kleists Reflektion einer existenziellen Verunsicherung zum Anlass einer verschmitzten Reflektion des Theaterspielens genommen. Und sich dabei der Gegebenheiten des vorhandenen Ensembles lustvoll bedient. Das nämlich verfügt in der Person von Michael Klammer über einen farbigen Schauspieler.
Bei Bosse ist Diener Sosias als Schwarzer kostümiert. Wird allerdings nicht von Klammer gespielt, sondern vom schwarz angemalten Schauspieler Robert Kuchenbuch. Klammer spielt Merkur, der den (schwarzen) Sosias spielt. Ein Insider-Scherz.
Eine andere Zuspitzung erfährt das Verwirrspiel mit Amphitryon und Jupiter, die, anders als bei Kleist vorgesehen, von nur einem Schauspieler gespielt werden: Hans Löw, in beiden Rollen derselbe nervös beleidigte Schlaks, was das Durcheinander nicht nur bei Alkmene (Anja Schneider im froschgrünen Seidenkleidchen mit Tiefestdekolletee und wimpernlangem Trend-Pony) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein dünnes Rinnsal zackt quer über die Bühne von Barbara Ehnes. Düsteres Licht, sanftes Geplätscher, das in einem kleinen Vorbühnen-Schneerest versickert. Athen kann sehr kalt sein, und selbst die größten griechischen Helden frieren erbärmlich, wenn man ihnen die Sonne abdreht: Stephan Bissmeier zittert beschaulich auf kargem Holzschemel wie der alte Bauer, dem die...
Theater heuteTom Stromberg, als was können wir Sie begrüßen? Als Produzenten? Gutsbesitzer? Akademie-Direktor? Festival-Macher?
Tom StrombergIch habe noch viel schönere Berufsbezeichnungen: Ich nenne mich am liebsten Impresario und Geheimdramaturg. Festival-Leiter stimmt in Bezug auf «Impulse», dabei muss aber unbedingt Matthias von Hartz genannt werden, mit dem...
Seit knapp zwei Jahren hat Österreich ein schönes, strenges Zuwanderungsgesetz – und dann passiert Anfang Oktober so etwas. Erst versuchte ein Niederösterreicher bosnischer Herkunft, mit einem Rucksack voller Schrauben und Granaten durch den Securitycheck der US-Botschaft zu spazieren. Neben dem explosiven Gepäck stellte die Polizei eine muslimische Gebetsfibel...
