Wer spielt wen?

Ein Puppenspieler lässt die Puppen erzählen – Jonas Soubeyrand beschwört die wilderen Zeiten der alten DDR vor und in der Wende

Theater heute - Logo

Wolf Biermann hat bekanntlich viele Kinder von einigen Frauen. Kinder gibt’s, zu denen er sich eigentlich nie bekennen mochte – Sohn Jonas etwa stammt aus Biermanns Lebens- und Liebeszeit mit der aus Köln stammenden Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin Brigitte Worringen; die hatte zuvor den französischen Pantomimen Jean Soubeyrand geheiratet und war mit ihm nach Ost-Berlin gezogen. Dort gehörte sie erst zu Helene Weigels Team am Berliner Ensemble, dann zum Kreis um Benno Besson am Deutschen Theater und an der Volksbühne.

Manuel, das Kind mit Soubeyrand, wurde ein angesehener Theaterleiter und ist vor kurzem gestorben; Sohn Jonas hatte 1965 Biermann zum Vater. Er verbirgt sich nun hinter dem Pseudonym Klaus Thaler; denn vom uckermärkischen Dörfchen Klausthal aus betreibt er ein reisendes Puppentheater. Und eine von Thalers Puppen redet jetzt Tacheles: «Eine Puppe packt aus.»

Ob wohl schon jemals ein Bär aus Stoff berichtet hat über die verrückten Jahre kurz vor, kurz nach und in der Wendezeit selbst? Eher nicht. Genau diese Idee aber hat Jonas Soubeyrand einst vom Dichter-Freund Peter Wawerzinek geschenkt bekommen – das eigene Leben zu erzählen aus dem Blickwinkel von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 51
von Michael Laages

Weitere Beiträge
In realer Unwirklichkeit

Max Reinhardt war 44 Jahre alt, verheiratet mit Else Heims, der klassischen Ersten Liebhaberin seines Ensembles, war Vater zweier Söhne sowie einer unehelichen Tochter aus einer Affäre mit einer Sängerin, als er sich 1917 in die ebenfalls verheiratete Helene Thimig verliebte, die er 1913 entdeckt und vom Königlichen Schauspielhaus an sein Deutsches Theater...

Keine Annäherung

Zwei Kindheiten spiegeln sich ineinander – über Zeit und Entfernung hinweg –, treffen sich in Erlebnissen von teilweise heftiger Gewalt, werden jeweils zum Resonanzraum der anderen und dabei auch ein Stück weit transparent in ihrem historischen und sozialpsychologischen Kontext. Wenn das gelingt, kann dabei etwas aufgehen, ein lebendiger Widerstandsgeist, ein...

Auf der Probebühne

In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...