Wer hat Angst vor Caliban?

Stefan Pucher und Dimiter Gotscheff misstrauen postkolonialen Shakespearelektüren von Müller bis Theweleit: «Der Sturm» an den Münchner Kammerspielen und «Anatomie Titus Fall of Rome – Ein Shakespearekommentar» am Deutschen Theater Berlin

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Wer Shakespeares «Sturm» als postkoloniales Märchen liest, hat leichtes Spiel. Ein paar Namensverschiebungen und kleine Zuspitzungen reichen, um aus dem entthronten Gelehrten Prospero Libero zu machen, einen selbstbewussten Staatsgründer und Kolonisator im Dienste des Humanismus. Der störrische «Erdkloß» Caliban wird mit einem anagrammatischen Dreher zum Indianer Kannibal, und der anpassungsfreudige Luftgeist Ariel verwandelt sich in den Sklaven Zabriel, welcher eilfertig Liberos Rache exekutiert.

Die Geschichte vom gerechten Zauberer gerät so zur Schlüsselszene des Kolonialismus, in der ignorante Europäer nicht nur heimische Machtkämpfe auf fremden Inseln und Schultern austragen, sondern durch ihre Zuschreibungen und Benennungen überhaupt erst Menschenfresser und Monster schaffen.
   

Im popkulturellen Mythenhaushalt

Klaus Theweleits Umschrift von Shakespeares später Komödie ist im Programmheft zu Stefan Puchers «Sturm»-Inszenierung abgedruckt und könnte prachtvoll zu den popkulturellen Affinitäten des Regisseurs passen. Der Freiburger Literaturwissenschaftler hat schließlich in «Pocahontas in Wonderland» (1999) – das Buch, dem die Sturmschrift entnommen ist – nicht nur den ...

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Theater heute Januar 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Eva Behrendt

Vergriffen
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