Wenn die Welt im innersten zusammenfällt
Am Staatstheater Cottbus sitzt Doktor Heinrich Faust im anthrazitfarbenen Dreiteiler am Laptop und hackt missmutig «Habe nun, ach!» in die Tastatur. Der Brockhaus ist hier quasi längst digitalisiert: Statt Bücherwänden umgeben den ergrauten Akademiker lediglich kahle dunkle Wände; und was die Welt im Innersten zusammenhält, muss im Zweifelsfall das world wide web aus des Doktors Drucker ausspucken. Auch das miles-and-more-affine Rollköfferchen, mit dem Faust später an Mephistos Seite zur kleinen Weltenreise aufbricht, signalisiert: Dieser Mann ist up to date.
Da scheint sich der Befund des Regisseurs Christoph Schroth mit dem des Germanisten und Philosophen Michael Jaeger zu decken, der gerade einen Essay «zur Aktualität Goethes» veröffentlicht hat: «Global Player Faust».
Jaeger befürwortet darin nicht nur ausdrücklich die Kratzer, die Wissenschaft und Theater dem kanonisierten Bild vom schöpferischen Erkenntnisstreber in jüngster Zeit verpasst haben, sondern kanzelt «den vermeintlichen Heroen» unmissverständlich als «veritable Unglücksfigur» ab, in der sich Goethes Unbehagen an der Moderne flächendeckend Bahn breche. Schließlich lässt der Dramatiker dem anfänglichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ich wiederhole mich nur ungern, aber mir fehlt in der Auswahl des Theatertreffens auch in diesem Jahr eine Peter-Handke-Inszenierung von Friederike Heller. 2007 war die Wiederentdeckung der alten Kapitalismuskomödie «Die Unvernünftigen sterben aus» übergangen worden, jetzt hat man eine Inszenierung von Handkes jüngstem Drama «Spuren der Verirrten» ignoriert, die...
Liebe Leserin, lieber Leser, die freundliche Anfrage, eine Gegenkritik zu den Besprechungen über «Die Stadt und Der Schnitt» zu verfassen, hat mich gefreut. Ein solcher Text kann allerdings nur von jemandem geschrieben werden, der die Kritiken auch gelesen hat. Tatsächlich habe ich dies nicht – direkt nach Premieren lese ich nie Kritiken, sondern warte damit ein...
So sieht also der Himmel aus, jedenfalls der von Psychiater Königsforst, 57, aus Wolfen: Kurz nachdem der doppelte Selbstmordversuch mit Gattin Helga kläglich gescheitert ist, ergreift den Mann ein völlig neues Körpergefühl. Peter Kurth wischt sich den erbrochenen Pillenbrei von der Brille, pumpt die Lungen voll Morgenluft, reißt sich den mittelbraunen Anzug vom...
