Foto: Rolf Arnold
Wendebetrachtung für Fortgeschrittene
Besonders alt wurde die DDR ja – aus guten Gründen – nicht. Und ihre vier Jahrzehnte überbordend spektakulär zu finden, wäre ein ziemlicher Euphemismus. In der Saison 89/90 allerdings – beim Endspiel – hat sich die kleine Diktatur tatsächlich noch mal ordentlich ins Zeug gelegt.
Todesmutige Montagsdemonstrationen, der Mauerfall, Helmut Kohls vorweihnachtliche Grußadresse an die ostdeutschen Brüder und Schwestern in bester Ballermann-Stimmung vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche und schließlich die Wiedervereinigung: Verglichen mit der 39-jährigen Rest-Geschichte des Landes, herrschte in den letzten zwölf DDR-Monaten wirklich Hochbetrieb. Entsprechend episch lässt der gebürtige Dresdner Autor und hauptberufliche New-York-Kulturkorrespondent der «Süddeutschen Zeitung» Peter Richter dieses Finale Revue passieren in seinem 412-Seiter «89/90», der letztes Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand.
Cool wirken in Ost und West
Wie Ingo Schulzes großer Brief-Wenderoman «Neue Leben» und Uwe Tellkamps vielgepriesene Oberloschwitziade «Der Turm» stößt sich auch «89/90» vom großbürgerlichen Dresdner Villenmilieu beidufrig der Elbbrücke «Blaues Wunder» ab. Während Schulze ...
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Museumswärter singen eigentlich nicht. Aber in einem kleinen Privatmuseum für eine der berühmtesten Ehebrecherinnen der Literaturgeschichte passt die Begleitung durch unsterbliche Jazz- und Popsongs ganz gut zur Feier des Vergangenen. Geht es in der modernen Volksmusik von Louis Armstrong bis Britney Spears, mit der hier die Geschichte von Flauberts...
Tanz kann bekanntlich Berge versetzen. Zumindest psychische, wie es anno 2007 Royston Maldoom in den pubertierenden Seelen großstädtischer Hauptschüler gelang, indem er sie in der Treptower Arena zum Tanzen von Strawinskys «Sacre du Printemps» brachte. Ein seitdem weithin kopiertes Prinzip. Die potenziell heilende Kraft des Community Dance nutzte aber bereits in...
Schlimme Nachrichten kommen, wenn sie kommen, vollkommen unabhängig davon, ob der Empfänger für sie bereit ist – zum Beispiel direkt nach einem unendlich langen Flug in Fuhlsbüttel, mitten in der Menschenmenge, als ich meine Maschinchen wieder an den Strom der Welt anschloss und mich danach traurig in eine Ecke verkroch. Zwar wussten wir alle seit langem um die...
