Hannover: Die Seitensprung-Methode
Museumswärter singen eigentlich nicht. Aber in einem kleinen Privatmuseum für eine der berühmtesten Ehebrecherinnen der Literaturgeschichte passt die Begleitung durch unsterbliche Jazz- und Popsongs ganz gut zur Feier des Vergangenen. Geht es in der modernen Volksmusik von Louis Armstrong bis Britney Spears, mit der hier die Geschichte von Flauberts Provinzsuperstar Madame Bovary erzählt wird, doch ebenfalls beharrlich um das alte verderbliche Sehnsuchtsthema, das der bürgerlichen Ruhe und Gesundheit seit Abaelard und Heloise als ständige Gefahr begegnet.
Und deswegen mag es der modernen Volkshochschule in Zeiten von Snapchat und Spotify durchaus behilflich sein, wenn ein paar plüschig verkleidete Aufpasser mit Namensschildern aus Messing die heute vermutlich ziemlich ungelesene Skandalgeschichte des 19. Jahrhunderts durch unsterbliche Songzeilen des 20. neu interpretieren, etwa Prince’ «I’ve got a lion in my pocket, and baby he is ready to roar» oder Bee Gees’ «Tragedy, when the feeling is gone and you can’t go on, it’s tragedy». Zugegeben, das sind auch schon etwas museale Titel, aber sie passen doch hervorragend zu einem reifen Theaterpublikum, das zu diesen Liedern vermutlich ...
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