Weltteig in den Mündern
Seit Adam und Eva beginnt alles mit einem Trauma – Geburt. Was danach folgt, sind Lektionen fürs Leben. Ungefähr so läuft es im allgemeinen und auch im konkreten Fall: Die Empfängnis war zwangsläufig, und gegen die nachfolgende Schwangerschaft konnte sie nichts unternehmen. Also rüstet die Mutter ihr Kind noch vor der Geburt für ein anderes Leben. Gehorsam befolgt es ihren Rat, sich nicht den Kleinfamiliengürtel umzulegen, aus dem Verlies auszubrechen, einen Helm aufzusetzen und nach draußen zu gehen.
Brav verweigert es auch die Entscheidung für ein Geschlecht, es wird Hermi, ein Hermaphrodit.Seine Mutter sitzt unten fest in der Geschlechter- und Mutterschaftsfalle bei ihrem Vater, der gleichzeitig der Vater ihrer Kinder ist. Statt Tageszeiten gibt es dort Geburtenzyklen, Hermi war Nummer 13, Nummer 14 überlebt nicht. Die Familie lebt tief unter der Erde, mitunter lodert hier Höllenfeuer, manchmal gibt es auch bessere Tage.
Unschwer lässt sich der Fall Fritzl in «Die Hölle ist auch nur eine Sauna» erkennen, wenn Katja Brunner eine horizontale Trennlinie zwischen dem Haus oben und «der da unten im hauseigenen Verlies» zieht. Das Haus ist umgeben vom Universaldorf oder auch ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 175
von Martina Grohmann/Marie Bues
Man kann viel mehr sehen, wenn man nur genau hinsieht», schreibt David Gieselmann in seiner Komödie «Falscher Hase». Was könnte dem flüchtigen Blick beim zu schnellen Hinschauen denn entgehen? In «Container Paris» zeigt sich auch bei ganz genauer Betrachtung nur eins: das Nichts.
Im Zentrum des neuen Stückes von David Gieselmann steht ein Container. Genauer...
Mit «Smokefall» und «The Homemaker» hat Noah Haidle sein Grundstück bereits auf beeindruckende Weise abgesteckt. Bevölkert wird es von mehreren Generationen von Familien mit archaischen Strukturen: Die Mütter warten, die Väter verlassen und die Kinder suchen. Vom Fötus im Bauch der Mutter bis zum dementen Großvater lässt Haidle sie zu Wort kommen. Bei aller...
Ja, ich bin in Wolgograd geboren. Kennen Sie wahrscheinlich besser als Stalingrad. Und ja, wir haben den Krieg gewonnen!», kontert Marianna Salzmann mit einem angriffslustigen Lächeln, wenn man sich vorsichtig ihrem «Hintergrund» nähert. Spiel, Satz, Sieg, versenkt. «Ich bin jiddischer Witz, eine Jüdin aus Stalingrad, die jetzt in Deutschland lebt.» Über ihr...
