Weimar: Die Kolonialisten

Heiner Müller, Johann Nestroy «Der Auftrag/Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl»

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Wie lassen sich zwei Zipfel Theatergeschichte zu einem zeitgenössischen Unterhaltungsabend verknoten? Angestrengt sächselnd zwängt sich Nadja Robiné in den Fahrstuhl nach Peru, also in Heiner Müllers Ausbruchs-Fantasie eines zentraleuropäischen Bürokraten (alias der «Mann im Fahrstuhl»). Es ist das Intro zu diesem Doppelabend von Christian Weise im Weimarer E-Werk, der Müllers karibische Revolutionärstragödie «Der Auftrag» (von 1979) mit Johann Nestroys Südseeschwank «Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl» (von 1862) kombiniert.

Man bräuchte schon eine gute Regie-Idee, um diese beiden vor Exotismus strotzenden Werke einem heutigen Publikum anzuempfehlen. Vor einer potemkinschen Theaterfassade mit einem Südseepanorama wie von Gauguin lässt Weise sein Ensemble den burlesken Plot durchalbern: Kannibalen-Häuptling Abendwind empfängt seinen Gast Häuptling Biberhahn (dem er unlängst erst die Frau weggefuttert hat – so wie dieser ihm die seine). Und weil sonst nichts Rechtes fürs Menü vorrätig ist, soll sein Koch kurzerhand einen eingewanderten Europäer kredenzen, der sich soeben noch heimlich in Abendwinds Tochter Atala verliebt hatte und sich obendrein als Sohn von Biberhahn ...

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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Christian Rakow

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