Wehe, wenn sie losgelassen
Woyzeck in Weimar, ausgerechnet. Zwar nicht im repräsentativen Nationaltheater unmittelbar im Rücken der großen Bronze-Klassiker Goethe und Schiller, sondern fünf Minuten entfernt im E-Werk: einer dieser zahllosen malerischen Ziegelbauten aus der industriellen Moderne, die mittlerweile als Romantikhotels für die (darstellenden) Künste eine neue Bestimmung gefunden haben.
Wer passt besser dorthin als ein anderer historischer Fall aus einem arbeitsreichen Leben, Büchners armer Soldat, der seine Geliebte mordet, weil ihm die Bürgerwelt keinen anderen Weg aus der Verzweiflung lässt?
So jedenfalls geht die kanonische Deutung der sozialgeschichtlichen Interpretation: Der Täter Woyzeck ist das Opfer seiner Verhältnisse, der Mörder ein Getriebener seiner Unterdrücker. Die Preisfrage an jede Inszenierung: Wie zwingend kann sie in einem Eifersuchtsmord ein soziales Drama zeigen? Wie (un)frei ist dieser Woyzeck wirklich?
Zirkus Woyzeck
Steffi Wurster hat in die weite Halle ein paar weiße Pressspan-Buden, -Verschläge und -Podeste gebaut: eine etwas sterile Jahrmarktslandschaft, die bruchlos in rechteckige Wohnsilo-Architektur überblendet. Darin wird man als Publikum zu Beginn zehn Minuten ...
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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Aufführungen/Neue Stücke, Seite 50
von Franz Wille
Sie gleiten wie schlafwandelnde Eisläufer über die Bühne und passieren Spiegel, in denen sie wie flüchtige Erscheinungen auftauchen. Gelegentlich wandeln sie auch wie Pärchen, dann allerdings verschwindet plötzlich einer von ihnen hinter einem der Spiegel und wird scheinbar verschluckt. Da hat man den Eindruck, Mannheims Schauspielchef Burkhard C. Kosminski habe...
Aachen, Grenzlandtheater
Kasse: 00 41/1/261 21 79
19.8. Mann, Buddenbrooks
R. Ulrich Wiggers
26.9. Glattauer, Gut gegen Nordwind
R. Uwe Brandt
Altenburg/Gera, TPT
Kasse Altenburg: 03447/585 161
Kasse Gera: 0365/827 91 05
4.9. nach Storm, Der kleine Häwelmann
R. Astrid Griesbach
18.9. nach Grimm, Dornröschen
R. Astrid Griesbach (Marionettenspiel)
...
Wenn man sich eines Tages fragen wird, wann genau um die Wende zum 21. Jahrhundert die systematische Suche nach einer Neubestimmung des Stadttheaters in Deutschland begonnen hat, wird man neben vielen anregenden Impulsen vor allem zwei sehr unterschiedliche Initiale nennen müssen: Das «Bunnyhill»-Projekt der Münchner Kammerspiele und die Auflage des Heimspiel-Fonds...
