Wahnsinnig in Bewegung
Einer der erstaunlichsten von vielen erstaunlichen Sätzen, die Nis-Momme Stockmann an diesem Vormittag sagt, setzt er gleich an den Anfang eines langen Gesprächs. Wir sitzen auf dem Treppenhausdach einer ehemaligen Schule, die Stockmann vor einigen Jahren mit besetzt und als konzeptioneller Leiter in ein Kunstzentrum umgewandelt hat, auf zwei weißen globalisierten Plastikstühlen mit Blick auf die sanft mit grünen Hügeln eingeschwungene Hafenstadt Flensburg.
Von diesem Thron seiner früheren Erfolge aus erklärt Stockmann mit jener apodiktischen Setzung, die sich für sein Reden als symptomatisch erweisen wird: «Ich kann mit meinen alten Stücken heute kaum noch etwas anfangen!»
Alte Stücke? Nur mal zur Klärung der Sachlage: Nis-Momme Stockmann, Jahrgang 81, hat Ende 2008 mit dem Studiengang «Szenisches Schreiben» in Berlin und dem künstlerischen Arbeiten als Autor begonnen. Am 17. Dezember 2009 wurde das erste seiner Stücke, «Der Mann der die Welt aß», in Heidelberg in der Regie von Dominique Schnizer uraufgeführt. Seine nächsten Arbeiten, «Das blaue blaue Meer» (Regie: Marc Lunghuß) und «Kein Schiff wird kommen» (Regie: Annette Pullen) folgten im kurzen Abstand in Frankfurt und ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die Höhepunkte des Jahres, Seite 158
von Till Briegleb
Ausgerechnet in der Nacht, in der Wilfried den besten Sex seines Lebens hat, erfährt er vom Tod seines Vaters. Ein Vater, den er kaum gekannt hat. Da dem Toten die Familiengruft von der Verwandtschaft mütterlicherseits verweigert wird, muss Wilfried eine Odyssee in das vergessene und vom Krieg verwüstete Heimatland seines Vaters beginnen, um ihn zu begraben.
Was...
Sie sind unter uns. Und es sind viele. Sie sehen aus wie wir. Aber sie haben niemals eine Sinfonie gehört, ein Gedicht auswendig gelernt oder ein Theater besucht. Sie schauen fern und freuen sich, wenn in den Nachmittagstalkshows Leute auftreten, die noch blöder sind als sie. Dann fühlen sie sich überlegen und einen Moment lang herausgehoben aus ihrem Alltag aus...
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