Der Extremkünstler
Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der (nicht nur) gesamtkunstwerkinteressierten Menschheit eingraben würden.
Angefangen mit dem Kult, der direkt nach des Komponisten Dahinscheiden einsetzte, fortgeführt mit Tausenden Anverwandlungen in Theater, Tanz, Literatur, Architektur und Bildender Kunst, bis hin zu politischen Meinungsbildungsprozessen sowie zum Teil kruden Assimilierungsversuchen und psychoanalytischen Deutungsmustern – man denke nur an den genialischen Fantasten Otto Weininger. Der Zauber Wagners war, nicht immer zum Vorteil für sein Werk, gigantisch, ja gargantuesk. Und bisweilen grotesk.
Alex Ross, Publizist und Musikkritiker des «New Yorker», ist ihm nachgegangen. Legt man seine akribische, auf vielen verschlungenen Pfaden wandelnde Untersuchung «Die Welt nach Wagner» aus der Hand (empfindliche Gemüter, die dem Werk Wagners ohnehin kritisch ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Jürgen Otten
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