Der Extremkünstler

Alex Ross durchpflügt die Wirkungsgeschichte von Richard Wagner: «Die Welt nach Wagner. Ein deutscher Künstler und sein Einfluss auf die Moderne»

Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der (nicht nur) gesamtkunstwerkinteressierten Menschheit eingraben würden.

Angefangen mit dem Kult, der direkt nach des Komponisten Dahinscheiden einsetzte, fortgeführt mit Tausenden Anverwandlungen in Theater, Tanz, Literatur, Architektur und Bildender Kunst, bis hin zu politischen Meinungsbildungsprozessen sowie zum Teil kruden Assimilierungsversuchen und psychoanalytischen Deutungsmustern – man denke nur an den genialischen Fantasten Otto Weininger. Der Zauber Wagners war, nicht immer zum Vorteil für sein Werk, gigantisch, ja gargantuesk. Und bisweilen grotesk.

Alex Ross, Publizist und Musikkritiker des «New Yorker», ist ihm nachgegangen. Legt man seine akribische, auf vielen verschlungenen Pfaden wandelnde Untersuchung «Die Welt nach Wagner» aus der Hand (empfindliche Gemüter, die dem Werk Wagners ohnehin kritisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Vom Halbfertigen, Zusammengestellten

Matthias Günther ist wahrscheinlich der jugendlichste Endfünfziger im deutschsprachigen Dramaturgenkreis. «Wenn ihr nach unten scrawlt …», verhaspelt er sich im elektronischen Programmheft zu Charlotte Sprengers Inszenierung von Wolfram Lotz’ «Die Politiker» am Hamburger Thalia Theater, dann korrigiert er sich, «wenn ihr nach unten scrollt, findet ihr einiges, was...

Rolling Stones

Man muss kein Alpinist sein um zu erkennen, dass dieses Stück geografisch nicht über jeden Zweifel erhaben ist: Das Schweizer Matterhorn liegt in Teresa Doplers Bergsteigerdrama «Monte Rosa» gleich neben den Südtiroler Dolomiten. In diesem Kunst-Gebirge treffen drei namenlose Personen (A, B, C) unbestimmten Geschlechts aufeinander. Es handelt sich zwar um...

«Zurück in die Steinzeit müssen wir auch nicht»

Karin Winkelsesser Yvonne Büdenhölzer und Christoph Hügelmeyer, Sie engagieren sich bei den Berliner Festspielen in puncto Nachhaltigkeit. Inwiefern verbindet sich das mit Ihrer jeweiligen Tätigkeit? 
Yvonne Büdenhölzer Seit 2012 bin ich Leiterin des Theatertreffens, habe aber zuvor auch schon bei den Berliner Festspielen gearbeitet und den Stückemarkt beim...