Vorteilsgemeinschaften
Zunächst sieht alles nach einem Druckfehler der Dramaturgie aus. Laut Stückeinführung spitze Regisseur Antú Romero Nunes Goldoni weiter zu und fordere Verwechslungen und Doppelbödigkeiten heraus, die durch «den Blick eines rein weiblichen Ensembles auf die männlichen Stereotype des 19. Jahrhunderts zusätzlich an Schärfe und Aktualität gewinnen». 19. Jahrhundert? Ungläubiger Blick ins Bücherregal: Goldoni lebte und schrieb wie vermutet im 18. Jahrhundert. Nun ja.
Von wegen Tippfehler.
Spätestens wenn Stefanie Reinsperger mit ihrem extraherzigen Einführungsmonolog als hungrige, frisch zugewanderte Arbeitssuchende fertig ist, wird die ganze Dimension der Ansage deutlich. Ein paar runzelige Ekelcowboys stehen im harten Licht der Prärie und keifen sich an. Nunes meint es offenbar ernst und verlegt das Plotgerüst von Goldonis «Diener zweier Herren» in einen detailverliebten Spaghetti-Western. Die glorreichen Vier an den rauchenden Colts haben so schlechte Plastikzähne in Mund, dass ihr rachenkrächzendes Englisch aus whiskyzerfurchten Kehlen nur in der deutschen Übertitelung zu verstehen ist, aber die Sätze sind so einfach, dass Mitlesen völlig ausreicht. Die Maskenabteilung des BE hat ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille
ERÖFFNUNGSSONG
Gustav
Alles was ich berühr wird zu Scheisse Warum hast du mich verlassen, Vater? Du sagtest stets aufgegeben wird nur ein Brief Du führtest mich durch die stürmische Flut, in die Berge, die Straße entlang. Ich brauche dich, Vater Auf Knien bitt ich dich Ich brauche dich, Vater Glaub an mich.
Herzlich Willkommen Schwestern und Brüder Kunstgenießer...
Stirbt ein Mensch, geht das Leben weiter. Stirbt die Menschheit, stirbt die Zeit. Das ist die tröstlich-traurige Bilanz eines Doppelprojekts der Regisseurin Laura Linnenbaum im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Max Porters lyrisch-fantastische Erzählung «Trauer ist ein Ding mit Federn» und Marlen Haushofers Roman «Die Wand» auf der Bühne: erst ein...
Für Karin Beier ist die aktuelle Spielzeit eine der Thesenstücke. Im Herbst dramatisierte die Intendantin des Deutschen Schauspielhauses Hamburg auf der Hauptbühne Ian McEwans Roman «Kindeswohl», in dem es um medizinische Behandlung gegen den Willen des Patienten ging; als zweite eigene Regiearbeit der Saison zeigt sie auf der Nebenbühne Malersaal die Recherche...
