Von Palast zu Palast
Das kleine rote Büchlein, das der ehemalige Palastkoch Hans-Jürgen Schreiber gegen Ende der Performance im Publikum verteilt, ist so ziemlich das Gegenteil einer Mao-Bibel. Zusammengesetzt aus Schlüsselwörtern und Fragmenten, beschreibt es unter anderem den Blick von Ost und West aufeinander: «Sowohl die Chinoiserie als auch ihr Gegenstück, die Européenerie, basierten auf einer oberflächlichen und selektiven Kenntnis des Anderen, die aus einer kleinen Anzahl von Büchern und visuellen Informationen gewonnen wurde.
Vielleicht war es gerade dieses bruchstückhafte Wissen, das dazu führte, dass sich China und der Westen gegenseitig als Märchenland betrachteten.»
Die aus Peking stammende freie Theatergruppe Paper Tiger Theatre Studio um den Regisseur Tian Gebing setzt sich in ihrer performativen Installation «Revolution: Stachel im Fleisch» mit diesem Dialog der Blicke analytisch auseinander. Ursprünglich hatte der einstige Karlsruher Dramaturg Jan Linders die Gruppe beim «Theatertreffen in China» 2017 kennengelernt. Nach seinem Wechsel als Programmleiter zum Humboldt Forum schlug er der mittlerweile nach Berlin gezogenen Gruppe vor, zu einem frei aus den Sammlungen gewählten Objekt ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt
«Am Mittag des neunzehnten August zweitausendund / Am hellichten Mittag des neunzehnten August zweitausendund / Es war der August vor/». Mit immer wieder abbrechenden Anfangssätzen beginnt Dea Lohers «Das letzte Feuer» und hat sich als Episodendrama über eine Realität, in der die Verzweiflung zu Hause ist, die mannshohe Dogge den bestbezahlten Job der Gegend hat...
Neben Kerrs und Polgars Kritiken haben auch die von Herrmann-Neiße eine noch immer aktuelle Aussagekraft und machen Lust auf Theater. Er liebte das Theater mit Körper, Verstand und Seele von Kindheit an. Mit Artisten, Akrobaten, Komikern beider Geschlechter und diverser Lebensweise wie Karl Valentin, Lisl Karlstadt, Hans Moser, Cläre Waldoff, Willi Schaeffers, Curt...
Man wusste nie, wer auftreten würde, auch wenn man die Stücke kannte: der sich selbst gefährdende, doch gut trainierte Seiltänzer; der gewiefte gierige Wolf mit liebenswürdig aasigem Dauergrinsen; der spitzenschuhgestählte Elefant im Porzellanladen; der hypermännliche Naive; der versponnen erzählverliebte und zugleich klug analytische Anekdotiker; der ausgebuffte...
