Gewissen, Faust und Säure
Neben Kerrs und Polgars Kritiken haben auch die von Herrmann-Neiße eine noch immer aktuelle Aussagekraft und machen Lust auf Theater. Er liebte das Theater mit Körper, Verstand und Seele von Kindheit an. Mit Artisten, Akrobaten, Komikern beider Geschlechter und diverser Lebensweise wie Karl Valentin, Lisl Karlstadt, Hans Moser, Cläre Waldoff, Willi Schaeffers, Curt Bois und Paul Nikolaus war er befreundet. Eine ziemlich «schattenlose Glückseligkeit» erlebte er 1919 bis 1922, als er als Autor, Schauspieler und Kabarettist in Erscheinung trat.
Schon als Schüler hatte Max Herrmann mit Puppen Theater gespielt, Dramen verfasst über Kleopatra, den Spartakus-Aufstand sowie Märchenstücke mit Räubern und Indianern. In seiner Studentenzeit entwarf er weitere Stücke, die er 1919 überarbeitete und veröffentlichen konnte.
Die dreiaktige Komödie «Joseph der Sieger», formal mit Tiecks «Gestiefeltem Kater» und Pirandellos «Sechs Personen suchen einen Autor» vergleichbar, war eine bissige Parodie auf Gerhart Hauptmanns «Und Pippa tanzt» und huldigte Frank Wedekind mit ihren schrillen, im Zirkus und Bordell spielenden Szenen, gespickt mit Knallereien, Verführungen und Hochstapeleien. Der groteske ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Klaus Völker
Als machtlose Seherin, eine dunkle Mischung aus Melania Trump, Kassandra und Elfriede Jelinek, schritt sie 2017 barfuß und in wehenden Gewändern durch dekadente gol -dene Fransen in Philipp Preuss’ Inszenierung von «König Ubu/Am Königsweg». Ungehört fabulierend, mal fast unscheinbar durchsichtig, mal wütend bellend, mal tänzerisch-ätherisch. Als zerzauste Clownin...
DRESDEN, ALBERTINUM/ STÄDTISCHE GALERIE bis 13.8.,
«Ich halte doch nicht die Luft an.» Cornelia Schleime – frühe Werke / Cornelia Schleime «ich lass mich nicht spannen – lass mich nicht flechten»
Parallel stattfindende Ausstellungen zeigen Schleimes zwischen 1982 und 1984 produzierte experimentelle Super-8-Filme und ihre fotografisch festgehaltenen...
Die Symptome hat er früh erkannt, genau beschrieben und dann doch in ihrer Bösartigkeit noch unterschätzt. «Drei Jahre Geschichte einer Provinz» skizziert Lion Feuchtwanger in seinem 800- Seiten-München-Roman «Erfolg» (erschienen 1930), in dem die leicht schrulligen und in ihrer Weltsicht ein wenig beschränkt gezeichneten Bewohner der bayerischen Hochebene zwischen...
