Handgreifliche Debatte
Heutigen Abiturienten das Paradebeispiel der deutschen Klassik, Goethes «Iphigenie», nahezubringen, ist gewiss kein leichtes Unterfangen. Denn die mythische Vorzeit durch das Menschenbild der Weimarer Klassik betrachtet, fördert viel Erhabenes, aber auch allerhand Blutleeres zutage – Ideen statt Individuen, gedrechselte Sätze und prüde Litanei. Der frisch vom Max-Reinhardt-Seminar kommende Jungregisseur Sarantos Zervoulakos versucht hier radikal Abhilfe zu schaffen, indem er die Abipflichtlektüre als intensive, bis zur Handgreiflichkeit ausufernde Debatte inszeniert.
Aseptisch weiße Wände erheben sich um die ockerfarbene Sitzgruppe (Bühne: Raimund Orfeo Voigt). Eine halbhohe Schuhschachtel ohne Ausgang. In lässig eleganter Abend- und Freizeitkleidung drapieren sich die Schauspieler ins Mobiliar, eine Frau umrahmt von jeweils zwei Männern. Wer nicht gerade seinen Einsatz hat, verfolgt gesittet, aber erregt das Geschehen. Auf dem Boden liegen knöcheltief gelbe Reclamheftchen, durch die die Spieler im Laufe des Abends waten und straucheln. Keine trockenen Erläuterungen, sondern eine Versuchsanordnung im geschlossenen Sprachraum steht bevor. Laut Programmheft ein «Sprachkrimi». Kein ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Nathalie Bloch
Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien...
Es gibt nichts Schöneres als junge Menschen, die voller Enthusiasmus und Energie Theater spielen. Aber unter uns: Wenn es nicht gerade die eigenen Kinder sind, die sich auf Schul- oder Kitabühnen austoben, ist diese Behauptung reine Heuchelei. Ein gutes Beispiel für die Wirkungsgrenzen von Jugendfrische und Kreativität kann man derzeit in den Kammerspielen des...
Um den Künstler herum, um die Kunst herum. Im Gemenge der Berufe, die zwar nah dran sind oder gar mittendrin, aber nicht selbst künstlerisch, nicht unmittelbar selbst künstlerisch, hat der Kurator das jüngste und unklarste Profil. In der Bildenden Kunst, wo er innerhalb kurzer Zeit zum Star avancierte, steht er zwar im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, die er...
