Von Mannstrümmern und Überlebenskünstlerinnen

Felicitas Brucker befragt den Geniekult in Henrik Ibsens «Baumeister Solness» für die Münchner Kammerspiele, Elsa-Sophie Jach überprüft Marieluise Fleißers Roman «Eine Zierde für den Verein» im Marstall des Residenztheaters

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Sie erscheint von Anfang an brüchig, die Selbstherrlichkeit, mit der Thomas Schmauser als «Baumeister Solness» noch vor dem Eisernen Vorhang seine Erfolge bilanziert – mit Worten, die Yves Saint Laurent, ein anderer großer, zeitlebens von Depressionen und Selbstzweifeln geplagter Kreativer auf seiner Abschieds-Pressekonferenz wählte: «Jeder Mensch braucht seine ästhetischen Geister im Leben. Ich habe sie gesucht, verfolgt, gejagt. Habe viele Krisen durchgemacht, bin durch viele Höllen gegangen. Ich habe Angst erlebt und furchtbare Einsamkeit.

Ich habe mir diesen fatalen Weg nicht ausgesucht, doch bin ich dank ihm in einen Himmel des Schöpferischen emporgestiegen, […] habe mich gefunden und schließlich begriffen: die wichtigste Begegnung im Leben ist die Begegnung mit sich selbst.»

Damit legt Regisseurin Felicitas Brucker die Spur einer Künstlerbiografie in ihre Ibsen-Inszenierung, die im Lauf des Abends jedoch wieder etwas verwischt, wenn es vor allem um toxische Beziehungen, um Ausbeutung, Manipulation und den verdrängten Missbrauch einer Minderjährigen durch einen egozentrischen Machtmenschen geht – bis zum expliziten Zitat «Die Scham muss die Seite wechseln» von Gisèle Pelicot ...

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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen

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