Von Mannstrümmern und Überlebenskünstlerinnen
Sie erscheint von Anfang an brüchig, die Selbstherrlichkeit, mit der Thomas Schmauser als «Baumeister Solness» noch vor dem Eisernen Vorhang seine Erfolge bilanziert – mit Worten, die Yves Saint Laurent, ein anderer großer, zeitlebens von Depressionen und Selbstzweifeln geplagter Kreativer auf seiner Abschieds-Pressekonferenz wählte: «Jeder Mensch braucht seine ästhetischen Geister im Leben. Ich habe sie gesucht, verfolgt, gejagt. Habe viele Krisen durchgemacht, bin durch viele Höllen gegangen. Ich habe Angst erlebt und furchtbare Einsamkeit.
Ich habe mir diesen fatalen Weg nicht ausgesucht, doch bin ich dank ihm in einen Himmel des Schöpferischen emporgestiegen, […] habe mich gefunden und schließlich begriffen: die wichtigste Begegnung im Leben ist die Begegnung mit sich selbst.»
Damit legt Regisseurin Felicitas Brucker die Spur einer Künstlerbiografie in ihre Ibsen-Inszenierung, die im Lauf des Abends jedoch wieder etwas verwischt, wenn es vor allem um toxische Beziehungen, um Ausbeutung, Manipulation und den verdrängten Missbrauch einer Minderjährigen durch einen egozentrischen Machtmenschen geht – bis zum expliziten Zitat «Die Scham muss die Seite wechseln» von Gisèle Pelicot ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen
ERSTER TEIL
Regine der Schnee körnig
und unter
einem achatgrauen Himmel so
schnell zu Boden fallend wie
ein plötzlicher Regen ich
stehe am Küchenfenster
rauche unablässig in
den Tag hinein ein
Rieseln auf Betonplatten und
das Blech der Fensterbank im
Schlafzimmer liegt
mein Mann liegt Wolfgang
im täglichen Abtragen der
Erinnerungsschichten die Vergangenheit
als...
Bernarda Alba oder ein Puppenheim. Alex Eales hat eine Puppenstube an die Bühnenrampe des Hamburger Schauspielhauses gestellt: einen schmucklosen Flachbau, dem an der Rampenseite die Mauer fehlt. Man blickt direkt in die Zimmer der Familie Alba, kleine Kammern, in denen die fünf Töchter sowie die demente Großmutter leben; man könnte hineingreifen, und die Figuren...
Eine einsame Nacht. Irgendwo in Deutschland, in Nordseeküstennähe. Im Radio laufen die Nachrichten, berichten von Baerbock, Berlin und Kiew. Zum Abschluss das Wetter: Quellwolken, fallende Temperaturen und leichter Nieselregen. Richtig wohlig klingt das alles nicht. Aber wohlig sind die Zeiten ja auch nicht. Und die Nächte sowieso einsam. Letzeres zumindest erzählt...
