Von leuchtenden Mäusen und träumenden Menschen
Roland Schimmelpfennig hat einmal gesagt, Theater sei «Faxenmacherei». Seitdem aber seine Stücke immer mehr die deutschen Bühnen bevölkern, geheimnissen die Bühnenkünstler, eifrig sekundiert vom erwartungsvollen Feuilleton, viel in die angeblich raunenden, nicht enträtselbaren, überdies naturgemäß postmodernen Texte hinein. Denn Schimmelpfennig ist in der Art, wie er seine Geschichten konstruiert, tatsächlich einer derjenigen, der das Konstruieren schlimmer treibt als jegliche Theaterpolizei es erlaubt.
Und kaum hat er als Mechanicus seine Tinguelysche Maschine gebaut, zerschlägt er sie mit dem Hammer, dekonstruiert sie also und ordnet die Splitter und Fetzen dann so, dass sie ein höchst bewusstes Vexierbild von Wirklichkeit abgeben.
Das ist tatsächlich ästhetisch und philosophisch höchst vergnügliche «Faxenmacherei», denn es entsteht ein bewusst komponierter Zufall, der dann natürlich gar keiner mehr ist, sondern vielmehr ein gewissermaßen ins Metaphysische gehobenes Gelächter über die Welt auslösen kann. So auch in der mittlerweile zu einiger Berühmtheit gelangten Geschichte vom silbernen Löffel in seinem Stück «Auf der Greifswalder Straße». Hier schlägt der sogenannte Zufall ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
… und eigentlich Erste: Katharina Lorenz vom Schauspiel Hannover wurde Nachwuchsschauspielerin des Jahres für ihre Rolle der Mascha in Tschechows «Drei Schwestern» (Regie Jürgen Gosch; hier mit Christoph Franken und Roland Renner). Unten links: Die Zweitplatzierte Schauspielerin des Jahres Sandra Hüller vom Theater Basel als Dido in Sebastian Nüblings Opernprojekt...
Jüngst für ein Buchprojekt gebeten, sich über ihre Arbeit zu äußern, lieferte Muriel Gerstner einen aufschlussreichen Text ab, einen Text, der in seiner Form zunächst überrascht, versteckt er doch seine Auskünfte in einem kleinen Stück Prosa. Mit einem Empfehlungsschreiben in der Hand steht M. – die Annahme, dass es sich hierbei um die Schreiberin handelt, ist...
+ Die Kunst des Theaters ist frei und vielleicht sogar autonom?
Ein Bereich jenseits des instrumentellen Denkens, der Ideologisierungen, der Zwecke und Verfügungen? Gar ein Ort des Kreativen, des lustvollen Ausprobierens, Vordenkens, möglichen Scheiterns?
Aber nicht doch. Es gibt schließlich Regeln! Man muss sich zwar nicht dran halten, aber man sollte sie...
