Von Gleichen und Gleicheren
Ein Mann kommt abends zur Tür herein, zurück in den Schoß der Kleinfamilie, und sieht sich selbst am Tisch sitzen. Verständlicherweise reagiert er nicht gerade begeistert, zumal die Restfamilie so tut, als wäre alles in Ordnung. So beginnen spätestens seit der Romantik Identitätskrisen, die den scheinbar festgefügten Alltag aus den Angeln heben. Bald werden sich noch andere Ichs verdoppeln, irgendwann wird sich die Wirklichkeit in Traumwelten auflösen, die Zeit wird fliegen, die Perspektiven tanzen, der Verstand dankt ab, die scheinbar sicher gefügten Realitäten lösen sich auf.
So jedenfalls bei E.T.A. Hoffmann, der ein Meister solcher Erzähltricks war, um damit sein Biedermeier aus dem Restaurations-Sofa zu wirbeln. Auch Botho Strauß, der literarische Zauberlehrling der bleiernen Vorwende-Bundesrepublik, hat sich später immer wieder gerne der alten Kniffe bedient.
Und Roland Schimmelpfennig? In «Der Tag, als ich nicht ich mehr war» greift er sich zwar das gute alte romantische Doppelgängermotiv. Erst verdoppelt sich der Mann, und keiner merkt es, dann merken es die anderen und er nicht, dann verdoppelt sich die Frau und es kommt zum Identitäts-Vierer mit wechselseitigen ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
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