Le Grand Magic Wolfi
Der junge wilde Dichter in der ersten Reihe macht einen ausgesprochen adretten Eindruck. Er ist gekämmt und rasiert, er trägt Anzug und sogar Krawatte. Im Grazer Schauspielhaus haben sie gerade sein Stück «Magic Afternoon» gespielt, das Fernsehen ist da, und der joviale Moderator will vom jungen Autor jetzt wissen, was denn der Titel zu bedeuten habe. Dumme Frage, trockene Antwort: «Das heißt magischer Nachmittag.»
Das war Ende der sechziger Jahre, Wolfgang Bauer war noch keine dreißig und so etwas wie ein Theater-Popstar.
Zwischen Graz und Berlin rissen sich die Theater um die Stücke mit den coolen englischen Titeln («Party for Six», «Change»), in denen man endlich auch auf der Bühne die neuesten Rolling-Stones-Singles auflegen durfte. «Magic Afternoon» (uraufgeführt in Hannover, natürlich 1968) schildert einen lähmend langweiligen Nachmittag im Leben von vier jungen Leuten, der mit einem Todesfall endet. «Magic Wolfi» selbst hielt seinen größten Erfolg übrigens für ein Missverständnis. «In Hamburg habe ich eine Aufführung erlebt, die grauenvoll war und immer ausverkauft. Die haben geglaubt, das ist ein sozialkritisches Stück!»
Der leidenschaftliche Spieler Bauer verstand sich ...
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