Vom Kopf auf die Füsse
Das freie Theater schafft sich ab. Jedenfalls wenn es nach der Sarrazinschen Logik geht, nach der sich Fähigkeiten genetisch vererben. Denn freie Theaterschaffende bekommen doppelt so selten Kinder wie der Durchschnitt der Bevölkerung: In ganz Deutschland sind 35 Prozent der potenziellen Eltern kinderlos, unter den frei arbeitenden Bühnenkünstlern sind es 68 Prozent. Doch nur 13 Prozent davon wollen keine Kinder – die anderen fürchten, sie sich nicht leisten zu können wegen ihrer unsicheren Lebensverhältnisse.
Dies ist eine der Zahlenreihen, mit denen Günter Jeschonnek im Theaterhaus Stuttgart beim ersten Bundeskongress der Freien Darstellen Künstler den «Report Darstellende Künste» vorstellte – und zwar eine von denen, die begreiflich machen, warum es bei so einem Kongress zwangsläufig immer wieder ums Geld geht: Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der meisten Künstler ohne feste Anstellung oder feste Förderung sind prekär. Konkret: Rund 40 Prozent von ihnen verdienen im Jahr weniger als 11.000 Euro, schätzt Alexander Opitz, Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg. In einem Kurzinterview mit der Regionalpresse vor dem Kongress sagte ein Teilnehmer: «Im Blick auf ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Andreas Jüttner
Was also tun? Theater spielen! Für diese Antwort hat sich die Regisseurin Claudia Bosse entschieden, die in Wien ihr «theatercombinat» mit wechselnden Besetzungen betreibt; ihre jüngste Produktion mit dem Titel «Vampires of the 21st Century oder Was also tun?» wurde
am FFT in Düsseldorf erarbeitet. Es geht um Liebe (bzw. Beziehungen), um parlamentarische...
Was soll abgeholzt werden? Ranjewskajas Kirschgarten natürlich. Warum? Weil sie Schulden hat und er nutzlos ist. Warum darf er nicht abgeholzt werden? Weil er alt und schön ist. Was soll abgeschafft werden? Das Schauspiel der Stadt Wuppertal. Warum? Siehe oben. Und warum nicht? Siehe Tschechows «Kirschgarten». Die Gleichung geht fast vollständig auf. Das...
Nahe am Bühnenrand, nahe am Abgrund stehen sie, diese beiden Verlorenen, ein Mann und eine Frau. Sie krallen sich aneinander, halten sich zugleich auf Distanz. Es ist spät, Mitch, der bullige, harmlos-hoffnungsvolle Kerl mit der bemüht trendigen Rockabilly-Schmalzlocke, und Blanche, dieses zerbrechliche, fast schon zerbrochene Wesen, sprechen im Halbdunkel die...
