Vom Abschaben der Hornhaut

Frauke Finsterwalders und Christian Krachts Deutschland-Panorama «Finsterworld» schickt die Crème de la Crème deutscher Schau­spielkunst durch sonnendurchflutete Kälte

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Zauberhaft beleuchtet rieselt die Hornhaut von den alten Fersen. Fußpfleger Claude beugt sich innig über Frau Sandbergs Fuß, dann sammelt er die zarten Körnchen ein und verschließt sie behutsam in einer Metalldose. Am nächsten Tag wird er Frau Sandberg knusprige Kekse in Herzform ins Altersheim mitbringen. Ihren unvergleichlichen Geschmack verdan­ken sie einem «Geheimnis», das er in sie hineingebacken habe, verrät Claude schalkhaft lächelnd. Frau Sandberg glüht vor Glück.

Die schräge Liebe zwischen Claude, Michael Maertens mit bauschig aufgefönter Haartolle und treuherzigem Dackelblick, und Margit Carstensens bedürftiger und stolzer Einsamkeitskönigin im Altersheim gehört zu den schönsten Episoden in Frauke Finsterwalders schönem, schrecklichem, komischem, zynischem und zärtlichem Debütfilm «Finsterworld», dessen Titel nicht zufällig sehr nah am Namen seiner Regisseurin gebaut ist. So nah wie die Initialen einer ihrer zwölf Episodenfiguren, die Franziska Feldenhoven heißt und Dokumentarfilmerin ist, was Frauke Finsterwalder bis zu diesem Film auch war. Sandra Hüller spielt sie so verpeilt, verbiestert und ungekünstelt, wie nur sie es kann. Irgendwann steht sie im dunklen Wohnzimmer ...

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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Magazin: Filmstart am 17.10, Seite 69
von Barbara Burckhardt

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