Vollbad im Gestern
Was hat sich zehn Jahre nach der Uraufführung von Fritz Katers «zeit zu lieben zeit zu sterben» eigentlich verändert? Die DDR ist noch ein bisschen ferner, die Geschichten sind noch ein bisschen vergangener, und die Teenies der Achtziger, von denen das Stück erzählt, dürften unaufhaltsam in der zweiten Lebenshälfte angekommen sein.
Was ist so besonders an dieser Generation, die immerhin gerade dann eine System-Vollbremsung erfahren hat, wenn andere in Richtung Beruf und Familie durchstarten?
Regisseur Antú Romero Nunes, geboren 1983 im schwäbischen Tübingen, interessieren solche Fragen wenig. Er nimmt die Geschichten von Pubertät und ersten Lieben, von Tanzstunden, Sturmtrinken, Patchworkfamilien und den kleinen frenetischen Ausbrüchen und Abstürzen im alles andere als wohlgeordneten Sozialismus als das, was sie bei oberflächlicher Betrachtung auch sind: ganz normale Jugenderinnerungen an die Coolen und die Starken, die Sensiblen und die Kotzbrocken, wie sie auf jedem Schulhof herumlaufen.
Im Bühnenhintergrund (Florian Lösche) sind eine Lichtorgel und «marie & the redCat» aufgereiht, eine Mannheimer Schülerband, die nach eigenen Angaben «warmen englischsprachigen Akustikpop» ...
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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Franz Wille
Am Schluss verbeugen sie sich vor sich selbst und das zu Recht. Die spiegelnden Plexiglaswände des Kubus, den Annette Murschetz so eng in den Münchner Marstall eingepasst hat, dass vor den Seiten jeweils nur Platz für zwei bis drei Sitzreihen bleibt, werfen den sechs todesmutigen Schaukämpferinnen im Inneren das eigene erschöpfte und erleichterte Bild zurück. Zwei...
Jugend will Protest und Anarchie – in allen «Räuber»-Inszenierungen seit 1782. Den Ton der Jugend muss man treffen, den ewigen und den tagesaktuellen. Der polnische Regisseur Jan Klata zielt in seiner Bochumer Inszenierung danach. Und trifft Ton und Bild der Rockmusik. Die schwarzweißen Videoclips von The Battles (Tonto), Woodkid (Iron) und Lana Del Rey (Born to...
Der Regisseur Vegard Vinge und die Bühnenbildnerin Ida Müller brachten 2009 bei den Festspielen in Bergen ihre dritte norwegische Ibsen-Inszenierung heraus. Für mich wurden diese zehn Tage, an denen die «Wildente» in immer neuen Versionen und Überlängen gespielt wurde, das größte Theatererlebnis meines Lebens. Vieles, was in ihrer jüngsten Berliner Arbeit «John...
