Vollbad im Gestern
Was hat sich zehn Jahre nach der Uraufführung von Fritz Katers «zeit zu lieben zeit zu sterben» eigentlich verändert? Die DDR ist noch ein bisschen ferner, die Geschichten sind noch ein bisschen vergangener, und die Teenies der Achtziger, von denen das Stück erzählt, dürften unaufhaltsam in der zweiten Lebenshälfte angekommen sein.
Was ist so besonders an dieser Generation, die immerhin gerade dann eine System-Vollbremsung erfahren hat, wenn andere in Richtung Beruf und Familie durchstarten?
Regisseur Antú Romero Nunes, geboren 1983 im schwäbischen Tübingen, interessieren solche Fragen wenig. Er nimmt die Geschichten von Pubertät und ersten Lieben, von Tanzstunden, Sturmtrinken, Patchworkfamilien und den kleinen frenetischen Ausbrüchen und Abstürzen im alles andere als wohlgeordneten Sozialismus als das, was sie bei oberflächlicher Betrachtung auch sind: ganz normale Jugenderinnerungen an die Coolen und die Starken, die Sensiblen und die Kotzbrocken, wie sie auf jedem Schulhof herumlaufen.
Im Bühnenhintergrund (Florian Lösche) sind eine Lichtorgel und «marie & the redCat» aufgereiht, eine Mannheimer Schülerband, die nach eigenen Angaben «warmen englischsprachigen Akustikpop» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Franz Wille
Gedanken lesen können nur Wahrsager. Allen anderen bleibt die Literatur, wo sich der innere Monolog großer Beliebtheit erfreut. Der Wiener Autor Xaver Bayer (geb. 1977) etwa begibt sich in seiner 120-Seiten-Erzählung «Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen» (2011) für ein paar Stunden in den Kopf seines Protagonisten und zeichnet in einem einzigen langen Satz...
Fünf Kritikerinnen und Kritiker bilden das Auswahlgremium der Mülheimer Theatertage. Einer davon fungiert als «Sprecher». Ihm kommt unter anderem die ehrenvolle Aufgabe zu, sich auf der Pressekonferenz zur Auswahl den Fragen der Kollegen zu stellen. Wobei Fragen fast schon zu viel gesagt ist. In der Hauptsache handelt es sich um eine einzige Frage, und der...
Es klingt wie eine Beschwörung: «Was sie sagen, ist nicht wahr», heißt es in der gewohnt ausführlichen Regieanweisung zu Franz Xaver Kroetz’ Kinderschänder-Drama «Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind». Der Autor warnt vor der Suggestivkraft der eigenen Worte. Sein Drama ist komponiert als bizarre, mehrstimmige Rechtfertigungslitanei. Zu Wort kommen allein...
