In memoriam Gefühlsgemetzel
Am Schluss verbeugen sie sich vor sich selbst und das zu Recht. Die spiegelnden Plexiglaswände des Kubus, den Annette Murschetz so eng in den Münchner Marstall eingepasst hat, dass vor den Seiten jeweils nur Platz für zwei bis drei Sitzreihen bleibt, werfen den sechs todesmutigen Schaukämpferinnen im Inneren das eigene erschöpfte und erleichterte Bild zurück. Zwei Stunden lang haben sie in diesem durchsichtigen Gefängnis einen virtuosen Seelenstriptease hingelegt und die Zuschauer dabei nolens volens in ein gebanntes Peepshow-Publikum verwandelt.
Und auch Martin Kušej, Hausherr und Dompteur in diesem Raubtierkäfig, kann sich gratulieren, dass ihm mit diesem formal und emotional zugespitzten Parforceritt so etwas wie ein Befreiungsschlag gelungen ist. Nach dem eher hakeligen Start seiner Intendanz am Münchner Residenztheater kann das Haus so zur Halbzeit der Saison nun doch Fahrt aufnehmen.
Geholfen hat ihm dabei nicht zuletzt das Münchner Weltgenie Rainer Werner Fassbinder, dessen früher Todestag, der 10. Juni 1982, sich im Sommer zum 30. Mal jährt und am Residenztheater schon jetzt mit dem einmonatigen Programmschwerpunkt «Postparadise Fassbinder now» begangen wird. Mit dem ...
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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
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