Vierte Wand
Der Drache ist ziemlich schick. Und weiblich: Mit platinblondem Pagenschnitt und schwarzem Hosenanzug könnte er (Vanessa Bärtsch) ohne Weiteres auch Prada tragen. Er schnaubt an der E-Zigarette und muss vom vielen Vapen heftig hüsteln. Vanessa Bärtsch spielt neben der Drächin aus der Chefetage auch Mariechen, die gestiefelte Katerkatze, höchst akrobatisch und eben -falls fauchend, und dazu spielt sie noch hinreißend Gitarre auf einem Holzfass im Hof.
«Der Drache» in Bern ist open-air, und nicht nur das, sondern auch «Schauspiel mobil»: So nennt sich ein Format der Bühnen Bern, welches Theater aus dem Haus, aus der Stadt und zu den Leuten bringen will, eine Umarmung der Subventionszahler:innen – ihr müsst nicht immer herreisen, wir kommen zu euch. An die Vorstellungen in der Stadt Bern, unmittelbar vor dem Theatergebäude, soll sich eine Tournee querbeet durch den Kanton anschließen; die Idee ist, dass die Arbeit überall hinfahren kann, wo wenigstens 60 Personen Platz finden.
Erst mal sitzen wir zwischen Kübelpalmen im Hof der Theaterbeiz mit dem hübschen Namen «Vierte Wand». Was einen der Mitspieler zu der Beobachtung veranlasst, dass diese ja jetzt auch im Theaterinnern wieder ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Andreas Klaeui
Kaum zu glauben, dass es in Chemnitz so viele Nachtclubs gibt. DJane Fuxia führt das Theaterpublikum mit lässigem Techno von Ort zu Ort, ihr DJ-Pult ist ein schwarzer Einkaufswagen mit Boxen und blinkenden Sternen. Auf der Bühne im Weltecho, im ersten Stock eines wunderschönen Gründerzeit-Baus, zeigt das Chemnitz-brasilianische Ensemble Enois 15 Minuten...
Eines der größeren Missverständnisse seiner Bücher hat Hans-Thies Lehmann selbst nicht aus der Welt schaffen können. Trotz seiner wiederholten Bekräftigung ging es im «Postdramatischen Theater» (1999) nicht um eine neue Dramentheorie, es ging auch nicht um die Ab -schaffung des Dramas, sondern es ging ihm um eine weiter greifende Theaterästhetik; er hatte auch...
Noch bevor alle Zuschauer:innen ihre Plätze eingenommen haben, wird die vierte Wand durchbrochen. Und zwar vom Kamerakran, der weit in den Saal des Hamburger Schauspielhauses hineinfährt und dem Publikum so direkt auf die Pelle rückt. Auge in Kameraauge steht man sich da gegenüber, und das penetrant vor einem filmende Gerät erinnert dabei an das Monster, das im...
