Vergesst Herder!
LI-LA-Leitkultur. Was soll das überhaupt sein: leit-en = anführen; oder meinen wir weiter-leiten, also meine Vorstellung von Kultur an den «anderen» weiterleiten, oder die Kultur auf einer Leiter hoch oben postieren? Fangen wir doch mit dem ursprünglichen Gedanken von Bassam Tibi an: Anstand und Respekt. Abgrenzungsfragen ausgeschlossen.
Theater als Kulturinstitution muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und aktiv werden.
Ein aspiratives, also nach vorne gewandtes Leitbild verkörpern, das nichts Vergangenes verherrlicht, sondern dafür sorgt, dass beispielsweise Menschen mit Migrationshintergrund Anschluss an das sogenannte kollektive Narrativ, an die «deutsche» Identität bekommen. Wenn also schon Leitkultur, dann ist in den Grundrechten unserer Verfassung schon viel festgelegt, der Rest wie Kultur, Identität und «Leitgedöns» kommt danach. Auf zu Solidarität, Gleichheit, Anerkennung.
1976 lebten um die 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in diesem Land. Erst 2001 kam die Süßmuth-Kommission zu dem Schluss, dass wir ein Einwanderungsland sind. Diese Bezeichnung evoziert ein neues Narrativ, und da ist es schon schräg, dass es das sogenannte «postmigrantische ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 88
von Patricia Nickel-Dönicke
Im Winter 2014 lud die Basler Kulturbehörde zur Vorstellung des designierten Intendanten ins Kunstmuseum Basel. Es war ein halböffentlicher Anlass, gemünzt auf die leidenschaftlichsten Theatergänger und stadtbekannten Influencer. Es gab eigentlich auch gar kein Geheimnis mehr zu lüften, ein gewisser Andreas Beck aus Wien sollte das größte Dreispartenhaus der...
Das Stück, um das es hier gehen soll, ist noch nicht fertiggeschrieben, deshalb ist alles, was man darüber schreiben kann, im Ordner «Mutmaßungen» abzulegen. Erzählt werden aber kann von einer Idee, von der gleich zwei Theater extrem inspiriert sind. Im Frühjahr 1811, kurz vor dem Freitod des Dichters Heinrich von Kleist, erschien unter dem Titel «Die Verlobung»...
Im Oktober 2016 ist Fiston Mwanza Mujila zu Gast im Burgtheater mit einer Lesung, ach was: Lesung-Performance. Besser: Rezitation, Gesang, Tanz. Der bekennende Jazzliebhaber, der den Variationsreichtum des Saxofons besonders hoch schätzt, ist ein Bühnenereignis. Ein Vortragender, der auch in seinen Prosatexten Freiheit in der Sprache sucht, Partituren schreibt. «Zu...
