Struktureller Rassismus
Die voraussehbaren Veränderungen in den ethnischen, politischen und ökonomischen Strukturen der deutschen Gesellschaft führen zu der Frage, in welcher Form Kunst und Kultur diese Ausdifferenzierungen widerspiegeln kann.
Wird die deutsche Kultur weiterhin dominiert sein von der weißen ethnischen Mehrheit? Und wird der deutsche Kanon weiterhin überwiegend aus Autoren und Werken bestehen, die für diese Werte stehen? Um den kleinbürgerlichen Verteidigern der «ewigen», «wahren» ästhetischen Werte zuvorzukommen, sei mit Antonio Gramsci kurz daran erinnert, dass es solche Werte per se nicht gibt, jenseits bestimmter historischer Kontexte, sozialer Räume und begleitender Machtstrukturen. Hegemonie beinhaltet die Dominanz eines ganz spezifischen Konsenses: Eine soziale Gruppe versucht, ihre Partikularinteressen als allgemeines gesellschaftliches Interesse zu behaupten.
Wie intensiv der Prozess der ethnischen Diversifizierung der deutschen Gesellschaft in nächster Zukunft auch werden mag, ich fürchte, dass die vorherrschende strukturelle Diskriminierung weiterhin existieren wird, um die soziale und kulturelle Dominanz derer zu bewahren, die sich nicht länger in der Position der Mehrheit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 82
von Oliver Frljic
Ihrer Zeit voraus waren die Radikal-Theater-Avantgardisten Vegard Vinge und Ida Müller ja schon immer. Aber dass sie selbst konkrete erdrutschartige (National-)Katastrophen antizipieren, darf durchaus als kleines Novum gelten: Wer Ende Mai beim internationalen Musik- und Theaterfestival im norwegischen Bergen die jüngste Vinge-Müller-Produktion «Panini-BoysRoom»...
Mitten in der Wüste von Nevada treffen vier junge Menschen an einer Stelle aufeinander, die man die «Quellen der Unsterblichkeit» nennt. So heißt es. Es ist ein Loch in der Erde, ein tiefer Spalt, der alle Größen des Silicon Valley zu ihren bahnbrechenden Ideen inspiriert hätte. Larry Page und Sergey Brin hätten hier die Eingebung bekommen, Google zu erfinden, Jack...
Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen:...
