Verdammt kalt
Erste Geschichte, die von dem Spiegel und von den Scherben handelt», diesen Untertitel trägt der erste Teil des Märchens «Die Schneekönigin» von Hans Christian Andersen. Der Spiegel des Teufels, der alles genau umgekehrt zeigt, wie es ist, stürzt von einem Himmelsflug zu Erde, «wo er in hunderte Millionen, Billionen und noch mehr Stücke» zerspringt.
Und nun verursacht er ein weit größeres Unglück als zuvor, denn «einige der Stücke waren kaum so groß wie ein Sandkorn, und diese flogen ringsumher in der Welt, und wo jemand sie in das Auge bekam, da blieben sie sitzen, und nun sahen die Menschen alles verkehrt oder hatten nur Augen für das Verkehrte … Einige Menschen bekamen sogar eine Spiegelscherbe ins Herz, und dann war es ganz gräulich: das Herz wurde einem Klumpen Eis gleich.»
«Puzzle» von Szymon Wróblewski ist gewissermaßen die zweite Geschichte vom Spiegel und den Scherben. Mit gutem Recht könnte das Theaterstück tatsächlich «Scherben» oder besser noch «Splitter» heißen. Denn die Geschichte von den Menschen mit den Spiegelscherben im Herzen oder im Auge passt auch hier – alle handelnden Figuren, fünf Jugendliche und zwei Eltern in einer Großstadt, die Warschau sein kann wie auch ...
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Was für Regeln gelten für die 38 Kritiker, die auch in dieser Spielzeit wieder die Schauspieler, Inszenierungen, Stücke und Bühnen des Jahres gewählt haben? Eigentlich keine, außer dass sie ihre Voten rechtzeitig einsenden müssen. Ansonsten sind sie nur sich, dem Theaterhimmel über ihnen und ihren persönlichen Regelwerken verpflichtet.
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Was für ein kaltes Luder! Gerade erst hat man sich gemütlich eingerichtet im schicken Wohnzimmer der Tesmans und in Thomas Ostermeiers elegant realistischer Inszenierung, hat sich wohlwollend und eine Spur gelangweilt angehört, wie Lars Eidingers Jörgen Tesman leicht trottelig, zerstreut und beflissen die nervös bemühte Tante Jule (Lore Stefanek) besänftigte, da...
Wen wundert es, dass 22 Jahre nach «Die Unvernünftigen sterben aus» das neue Handke-Stück den Titel «Spuren der Verirrten» trägt. Etwas erinnert das Stück an das 15 Jahre zuvor entstandene Schauspiel «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten». Damals ein Schauspiel im Wortsinn, denn es ist ein wortloses, also stummes Spiel, in dem ein Platz den Mittelpunkt der...
