Variationen künstlerischer Ehrlichkeit
Von und über den Regisseur Walter Felsenstein, besonders über seine erfolgreichen, als vorbildliche Beispiele «realistischen Musiktheaters» gefeierten Inszenierungen an der Berliner Komischen Oper von 1947 bis 1975, sind viele Bücher, Monografien und Bildbände publiziert worden.
Jetzt aber bietet die 1362 Seiten umfassende «dokumentarische Biografie» von Boris Kehrmann, die sich im Wesentlichen auf die Jahre von 1901 bis 1951 beschränkt und «Vom Expressionismus zum verordneten ‹realistischen Musiktheater›» betitelt ist, eine Fülle von neuem Material und Erkenntnissen, die auch eine neue Bewertung des Spätwerks und die empfohlene Dekonstruktion des Begriffs «realistisches Musiktheater» ermöglichen. Kehrmanns wichtigste Quelle ist, neben vielen zeitgeschichtlichen Dokumenten, Zeitungsartikeln und amtlichen Verlautbarungen, die bisher unveröffentlichte Privatkorrespondenz Felsensteins. In der Hauptsache handelt es sich um die Briefe an seine erste Frau Ellen Neumann. Sie war die Tochter des Beuthener Rechtsanwalts Dr. Salomon Neumann, die in der Bühnenwerkstatt des Dessauer Bauhauses ihre Ausbildung erhalten und in der Ausstattungsabteilung des Burgtheaters volontiert hatte, ehe sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2016
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 60
von Klaus Völker
Gut möglich, dass die letzten von Intendant Markus Hinterhäuser verantworteten Wiener Festwochen auch die letzten ihrer Art waren. Unter Hinterhäusers Nachfolger Tomas Zierhofer-Kin dürfte das Festival einen etwas anderen Charakter bekommen. Dieser will neue Präsentationsformen, mehr Popmusik und Diskurs anbieten und damit ein breiteres Publikum ansprechen. Die...
Von wegen Theaterferien: Die Festivalsaison geht weiter!
In malerischen Industrieruinen empfängt Johan Simons’ zweite Ruhrtriennale, und in Avignon nimmt Julien Gosselin einen neuen Anlauf auf Roberto Bolanos Großroman «2666».
Die Redaktion muss erstmal ausspannen und ist ab 24. August wieder erreichbar.
Das Jahrbuch Theater 2016 erscheint am 26. August...
Oliver Frljic ist ein zorniger Mann. Der Intendant des kroatischen Nationaltheaters in Rijeka hat keine Scheu, auf dem Theater unpopuläre Positionen zu beziehen: In «Aleksandra Zec» zum Beispiel thematisiert er die im postjugoslawischen Kroatien schnell verdrängten Greueltaten an den Serben (hier: an einem 12-jährigen Mädchen und ihren Eltern); er kassiert für...
