Vages Wolfsgeheul

Alice Birch «Anatomy of a suicide» am Staatstheater Hannover

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Da sind Carol, Anna und Bonnie, Mutter, Tochter und Enkelin. Da sind Pflaumenbäume, aufgeschnittene Pulsadern und Fische am Grund eines Teichs. Und da ist eine gemeinsame psychische Disposition, eine Depression. In «Anatomy of a Suicide» geht es um nichts weniger als die Angst vorm Leben und die Sehnsucht nach dem Selbstmord: Carol bringt sich um, kaum ist ihre Tochter aus dem Gröbsten raus, Anna – nach einer Drogenkarriere – ebenfalls, nur Bonnie durchbricht diesen Kreislauf und lässt sich sterilisieren.

Der Stücktext von Alice Birch ist dramaturgisch komplex.

Er ist eine Parallelmontage dreier Geschichten, mit textlichen und szenischen Überschneidungen und wiederkehrenden Stichworten. Es ist ein Stück, das so sehr nach szenischer Präzision zu schreien scheint, wie die drei Frauen nach Erlösung. So zumindest inszenierte, choreografierte Katie Mitchell im Oktober 2019 die deutschsprachige Erstaufführung am Hamburger Schauspielhaus. Eine Inszenierung, die sich durch ihre enervierende Exaktheit fast gewaltsam eingeprägt hat. 

Die Regisseurin Lilja Rupprecht nimmt den entgegengesetzten Weg und inszeniert den Text am Staatstheater Hannover flirrend assoziativ. Nur anfangs stehen alle ...

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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Katrin Ullmann

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