Unter Druck
Henning Bochert Frau Stolowitz, Ihr Stück befindet sich bei New Dramatists (New York City) und dem Artists Repertory Theater (Portland, OR) in der Entwicklung und wurde Anfang Mai in szenischer Lesung bei New Dramatists vorgestellt. Was hat Sie auf die Idee zu «Recent Unsettling Events» gebracht?
Andrea Stolowitz Ich unterrichte an mehreren Universitäten. Mir war aufgefallen, dass Lehrkräfte und Studierende sich in ihren Positionen wie verrannt vorkommen.
In den Vereinigten Staaten sind wir derzeit auf der Suche nach der besten Sprache, dem besten Vokabular und den besten Praktiken im Umgang mit dem Erbe rassistischer Gewalt, mit Sexismus, Genderfragen und Belästigung. Viele Akademiker*innen an Universitäten (auch Studierende) fühlen sich nicht sicher und nicht wahrgenommen, wenn sie über diese Themen reden. Die Lehrkräfte haben oft das Gefühl, dass sie ihre Lehrinhalte nicht vollumfänglich lehren oder Themen wie ethnische Zugehörigkeit oder Geschlecht nicht behandeln können aus Angst, Studierende könnten sich angegriffen fühlen oder getriggert werden. Als Lehrer stehen sie in ihren Stellen unter Druck und müssen sich bei diesen Themen zurücknehmen. In Zeiten von Trump und ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: International, Seite 46
von Henning Bochert
Die zweitstärkste Szene dieser belgisch-deutsch-irakischen Rumpf-«Orestie» ist nur auf Video zu sehen: Der legendäre, weil Demokratie- und Rechtsstaat begründende Schluss von Aischylos’ Trilogie sieht für das Ende der ewigen Gewalt einen recht knappen Ausgang vor. Bei der Abstimmung, ob Orest für den Rachemord an seiner Mutter Klytaimnestra verfolgt oder begnadigt...
Zu Beginn der Pressekonferenz, auf der der Berliner Kultursenator Klaus Lederer den Intendanten der Volksbühne (dann wieder: am Rosa-Luxemburg-Platz) ab 2021/22 vorstellte, wurde ein fünfseitiges Papier verteilt. Es handelte sich dabei offenbar um eine aktualisierte Form des Bewerbungsschreibens, das den 56-Jährigen Ende letzten Jahres beim Senat unter der...
Der Diversity-Diskurs hat das Wiener Burgtheater erreicht: Eine der sieben lebensgroßen, täuschend echt aussehenden Lipizzanerskulpturen, die Katrin Brack auf die Greenscreen-Bühne des Akademietheaters gestellt hat, ist braun. Vielleicht ist das Tier noch nicht ganz «ausgeschimmelt» (die meisten Lipizzaner werden erst mit rund sechs Jahren richtig weiß), vielleicht...
