Unter Druck
Henning Bochert Frau Stolowitz, Ihr Stück befindet sich bei New Dramatists (New York City) und dem Artists Repertory Theater (Portland, OR) in der Entwicklung und wurde Anfang Mai in szenischer Lesung bei New Dramatists vorgestellt. Was hat Sie auf die Idee zu «Recent Unsettling Events» gebracht?
Andrea Stolowitz Ich unterrichte an mehreren Universitäten. Mir war aufgefallen, dass Lehrkräfte und Studierende sich in ihren Positionen wie verrannt vorkommen.
In den Vereinigten Staaten sind wir derzeit auf der Suche nach der besten Sprache, dem besten Vokabular und den besten Praktiken im Umgang mit dem Erbe rassistischer Gewalt, mit Sexismus, Genderfragen und Belästigung. Viele Akademiker*innen an Universitäten (auch Studierende) fühlen sich nicht sicher und nicht wahrgenommen, wenn sie über diese Themen reden. Die Lehrkräfte haben oft das Gefühl, dass sie ihre Lehrinhalte nicht vollumfänglich lehren oder Themen wie ethnische Zugehörigkeit oder Geschlecht nicht behandeln können aus Angst, Studierende könnten sich angegriffen fühlen oder getriggert werden. Als Lehrer stehen sie in ihren Stellen unter Druck und müssen sich bei diesen Themen zurücknehmen. In Zeiten von Trump und ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: International, Seite 46
von Henning Bochert
SZENE 1 – Niels Monolog
Niels Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann.
Ich möchte mich ganz kurz vorab entschuldigen, dass hier heute ein Stück mit Israelis, Palästinensern und Deutschen stattfindet, das wir schon vor 10 Jahren gemacht haben. Das ist nicht schön. Das tut mir wirklich leid!
Damals an der Schaubühne habe ich damit angefangen, dass ich mich für...
Am Anfang war: ER. Der Mensch als Maß aller Dinge, damit er über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und alle wilden Tiere und über alle Kreaturen, die sich über den Boden bewegen, herrschen konnte.
Er trennte sich vom Tanzen und Rezitieren des griechischen Chorus und sprach: «ICH» – die Geburt des tragischen Helden. Von dort ging er hinaus...
Zwei Migranten in McJobs: 30. Stock, Fassadenreinigung. Immerhin ist die Bezahlung gut, auf die andere Seite der Glasfassade, in die Vorstandsetage, wird man es ohnehin nicht schaffen. Und: Man ist sicher vor dem Bürgerkrieg im Heimatland. Allerdings ragen die Auswirkungen des Krieges bis ins 30. Stockwerk: Benjamins Familie wurde im Krieg von Rebellen überfallen,...
