Unter Denkmalschutz

Christoph Marthaler lässt im Wiener Parlament rassistische Reden und Kompositionen ermordeter Künstler gegeneinander klingen: «Letzte Tage. Ein Vorabend»

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So viel Ende war selten. Der Untergang, der 1914 über Europa kam, inspiriert hundert Jahre später aktive und theoretisierende Kunstschaffende wie schon lange nichts mehr. Und deren Auseinandersetzung mit dem Morden im ersten großen Krieg, dem Zerfall, der Neuordnung und vor allem mit den Grund­lagen, die gelegt wurden für die zweite größere Katastrophe des 20. Jahrhunderts, beginnt erst.

«Die letzten Tage der Menschheit», rief der Österreicher Karl Kraus aus (dem dann logischerweise zu Hitler nichts mehr einfiel) und spottete in seinem als unspielbar geltendem Monumentalstück über die Detonation von Zeit und Moral, den Abschied von Vernunft und all den Werten, die im Morast der Schlachtfelder zertrampelt wurden.

Für die Wiener Festwochen tat es der Schweizer Bühnen-Entschleuniger Christoph Marthaler eine Nummer kleiner und nannte seinen «Vorabend» schlicht nur «Letzte Tage». Dafür hatte er sich einen Ort gesucht, der geschichtsträchtiger nicht sein könnte: den historischen Sitzungssaal des altehrwürdigen Parlaments an der Ringstraße, in dem sich die Vertreter der österreichischen Reichshälfte der österreichisch-ungarischen Monarchie seinerzeit die Köpfe mit Argumenten einschlugen ...

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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Festivals, Seite 12
von Bernd Noack

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